Archos 50b Cobalt Lite im Test: Am falschen Ende gespart

„So günstig wie möglich“, lautet oft die Antwort von Ratsuchenden, wenn ich sie frage, was ihr neues Smartphone denn kosten dürfe. Die Hersteller reagieren auf die Nachfrage nach Geräten für schlankes Geld und drehen die Preisspirale im Einsteigersegment immer weiter nach unten. Die französische Marke Archos wirft jetzt ein Modell mit 5 Zoll Displaydiagonale zum Kampfpreis von 129 Euro auf den Markt. Nach meinem Praxischeck komme ich zum Ergebnis: Beim Archos 50b Cobalt Lite sparen Käufer am falschen Ende.

Grobschlächtiges Design, flinke Sensorik

Das Design des Archos-Modells löst bei mir keine Emotionen aus. Das liegt weniger am pummeligen Äußeren (9,1 mm in der Tiefe), das wegen des wechselbaren Akkus und Backcovers bauartbedingt nicht so schlank kann wie bei Unibody-Gehäusen. Vielmehr lässt die Verarbeitung zu wünschen übrig.

So schließt der an sich schicke Metallrahmen mit dem Display unangenehm scharfkantig ab. Zudem ist das Backcover suboptimal angepasst. Das wird unter anderem daran sichtbar, dass es in Höhe der Öffnung um den Fingerabdrucksensor zu viel Spiel hat.

Hingegen der Fingerabdruckscanner selbst ist formidabel. Er entsperrt das Display so schnell und zuverlässig auf solch hohem Niveau, wie ich es zum Beispiel vom Huawei Mate 9 oder vom Honor 6X kenne. Reaktionsschnell sind auch die Sensortasten, die praktischerweise unterhalb und nicht als Software-Buttons innerhalb der Displayfläche integriert sind. Dies lässt mehr freie Fläche auf dem Screen.

Gutes Display, lahme Hardware

Das Display ist wohl das Beste am Archos 50b Cobalt Lite. Es löst in HD (1.280 x 720 Pixel) auf und stellt das Geschehen mit einer Pixeldichte von 294 ppi auf der 5 Zoll großen Diagonale so scharf dar, dass Netflix zu schauen großen Spaß macht. Dank des IPS-Panels ist der Bildschirm auch sehr kontrastreich und blickwinkelstabil. Nur etwas heller könnte er sein.

Jedoch bei der Rechenhardware hat Archos ins unterste Regal gegriffen und das Low-Budget-Chipset Qualcomm Snapdragon 210 verbaut. Das schlägt sich in der Performance erkennbar nieder. Zwar lassen sich Standard-Apps mit dem Vierkernprozessor und dem 1 GB großen Arbeitsspeicher schnell öffnen und flüssig betreiben. Doch schon beim Scrollen in durchschnittlich aufwendig gestalteten Webseiten nehme ich ein leichtes Stocken wahr. Und bei komplexen 3D-Spielen wie N.O.V.A. Legacy und Lords Of The Fallen stechen lange Ladezeiten und niedrige Framerates deutlich ins Auge.

Auch bei der weiteren Hardware-Ausstattung hat Archos sehr schlank kalkuliert. Dass sich der 16 GB große Nutzerspeicher per microSD-Karte gerade einmal um bis zu 64 GB erweitern lässt, dürfte die Zielgruppe solcher Einstiegsgeräte wohl noch verkraften. Doch eine lediglich 2 Megapixel auflösende Frontkamera ist selbst in dieser Preisklasse knauserig.

Zwar löst die Hauptkamera mit 13 Megapixeln auf, macht aber nicht erheblich viel bessere Fotos als ihr Pendant auf der Rückseite. Schon bei bewölktem Himmel sehen die Bilder weich und detailarm aus.

Test-Fazit Archos 50b Cobalt Lite

Für den vergleichsweise niedrigen Preis überrascht das Archos 50b Cobalt Lite mit einem guten HD-Display, platzsparenden Sensortasten darunter sowie einem flinken und präzisen Fingerabdrucksensor. Dennoch kann ich einen Kauf nicht uneingeschränkt empfehlen. Dazu ist das Android-Smartphone einen Tick zu schlampig verarbeitet, rechnet einen Tick zu langsam und liefert einen Tick zu wenig Fotoqualität.

Klar, kann ich für den Preis kein gehobenes Mittelklasse-Gerät wie das Samsung Galaxy A5 erwarten. Trotzdem gibt es in der Preisklasse mindestens eine bessere Alternative. Ich rate Kaufinteressierten mit geringem Budget zum Gigaset GS160 für 149 Euro (hier zum Test). Es bietet eine tadellose Verarbeitung und eine punktuell bessere Hardware-Ausstattung. Für nur 20 Euro mehr erhalten Käufer im Vergleich zum Archos-Modell bei Gigaset das bessere Gesamtpaket.


Images by Archos


About Berti Kolbow-Lehradt
Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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