HTC U11: Gläsernes Flaggschiff im Kurztest

Der Elektronikhersteller HTC feiert in diesen Tagen Geburtstag. Seit nunmehr 20 Jahren entwickelt das Unternehmen mit Sitz in Taipeh Smartphones und andere Unterhaltungselektronik. Natürlich gibt’s auch im Jubiläumsjahr ein Flaggschiffgerät, das mit den aktuell besten Hardwarekomponenten aufwarten kann. Es trägt den Namen HTC U11 und kommt nach dem U Play und U Ultra als drittes Gerät einer neuen Produktfamilie auf den Markt. Da mich HTC ja erst ins Android-Lager gebracht hat, war ich gespannt was das „Jubiläums-Modell“ zu bieten hat. Im Rahmen eines Presseevents durfte ich das Mobiltelefon bereits ausprobieren und verrate euch, warum es mich trotz angestaubtem Erscheinungsbild begeistert.

Ein (Alb-)Traum aus Glas

Das HTC U11 setzt die neue Designsprache der U-Serie konsequent fort. Das Gehäuse besteht aus Aluminium und hochwertigem Glas, dessen Verarbeitungsverfahren innerhalb von zwei Jahren entwickelt wurde. Den Entwicklern war besonders wichtig ein sauberes und symmetrisches Design zu erhalten. Das sorgt für den angepeilten Stylefaktor.

Auf dem ersten Blick gefällt das HTC U11 auch aufgrund seiner runden 3D-Kanten und liegt gut in der Hand, wenngleich die glänzende Rückseite Fingerabdrücke magisch anzieht. Mit Abmaßen von 154 x 76 x 8 mm besitzt das Flaggschiffgerät zudem eine angenehme Größe, lässt sich allerdings nur noch schwierig mit einer Hand bedienen. Die Masse von 169 g geht soweit in Ordnung. Ein weiterer Pluspunkt des neu entwickelten gläsernen Gehäuses ist die Resistenz gegen Staub und Wasser nach IP67.

HTC U11 Rückseite
Die gläserne Rückseite spiegelt stark und zieht Fingerabdrücke an. Image by Jonas Haller

Scharfes Quad-HD-Allerlei

Anders als die Konkurrenten von LG oder Samsung setzt HTC auf ein konventionelles 5,5 Zoll großes 16:9-Panel mit feiner QHD-Auflösung und einer resultierenden Pixeldichte von 539 dpi. Die Inhalte werden also sehr scharf angezeigt, Pixel sind nicht zu erkennen. Mehr zu Energieaufnahme, Helligkeit und Blickwinkelstabilität im ausführlichen Test.

Unterhalb des Multi-Touch-Displays befinden sich wie auch beim Vorgänger HTC 10 zwei kapazitive Buttons sowie ein Homebutton, der gleichzeitig den Fingerabdrucksensor beherbergt. Mir persönlich gefällt diese Platzierung deutlich besser als auf der Rückseite, da ich so das Gerät auf dem Tisch liegend schnell entsperren kann.

Das HTC U11 ist etwas größer als dessen Vorgänger HTC 10. Image by Jonas Haller

Neuester Qualcomm-Chip sorgt für Power

Einer der Gründe, warum das diesjährige Flaggschiff der Taiwaner erst jetzt auf den Markt kommt, dürfte die Verfügbarkeit des neuesten Qualcomm-Prozessors sein. Unter der Haube des U11 werkelt nämlich mit dem Snapdragon 835 der aktuell wohl schnellste Rechenbolide für Smartphones. Seine acht Kerne takten bis zu 2,45 GHz und ermöglichen in Zusammenarbeit mit 4 GB Arbeitsspeicher ein flüssiges Nutzen des Telefons. Daten wie Musik, Bilder und Videos finden auf dem 64 GB großen internen Speicher Platz, der um bis zu 2 TB per microSD-Karte erweitert werden kann.

Scharfe Bilder dank Ultrapixel-Sensor

Seit dem One M7 im Jahre 2013 sind die Kamera und der Sound die großen Steckenpferde des Unternehmens. Und auch mit dem HTC U11 versuchen die Taiwaner sich gegenüber der starken Konkurrenz abzusetzen. Das wird schon beim Blick auf die Spezifikationen der Kamera deutlich: 12,2 Megapixel mit eigenem Ultrapixel 3 Sensor und einer Pixelgröße von 1,4 µm, 0,3 s schneller Dual-Pixel-Autofokus, optischer und elektronischer Bildstabilisator, lichtstarke f/1.7-Blende sowie der aus dem Google Pixel bekannte HDR-Boost.

HTC U11 Hauptkamera
Die Hauptkamera löst mit 12 Megapixel auf und bietet eine sehr gute Leistung. Image by Jonas Haller

Letzterer zeichnet sich durch einen besonders schlauen Algorithmus aus, der aus drei aufeinanderfolgend geschossenen Fotos die besten Sequenzen zusammenrechnet. Im renommierten DxO-Mark erreicht die Knipse mit 90 Punkten einen neuen Bestwert und liegt vor Samsung Galaxy S8 und Co. Videos zeichnet das U11 in 4K-Auflösung auf. Für guten Ton sorgen vier Mikrofone, die 3D-Sound bieten und per Audiozoom Quellen verstärken und Nebengeräusche abschwächen.

Für Selfie-Fans integrieren die Taiwaner ein 16 Megapixel-Modul mit f/2.0-Blende und 150 Grad Weitwinkel. HDR Boost ermöglicht farbenfrohe Schnappschüsse mit den Liebsten oder Idolen wie den Lieblingsbloggern. Die Videoauflösung der Frontkamera beträgt FullHD. Beim Kurztest konnten sich die Schnappschüsse durchaus sehen lassen. Beispielfotos gibt es dann im ausführlichen Test.

HTC U11 Frontkamera
Die Frontkamera besitzt einen Weitwinkel von 150 Grad. Image by Jonas Haller

Premium-Sound per Lautsprecher und In-Ears

Wie auch beim Vorgänger HTC 10 kommen im U11 zwei Lautsprecher zum Einsatz. Der Lautsprecher für die hohen, kurzwelligen Frequenzen befindet sich oberhalb des Displays und ist gleichzeitig Hörmuschel beim Telefonieren. Der Tieftöner ist auf der Unterseite integriert. Beide geben Hi-Res-Audio wieder, besonders eindrucksvoll ist die außergewöhnliche Lautstärke. Grund dafür ist die geschickte Ausnutzung der freien Bereiche unter dem Gehäuse, die für Resonanz sorgen. Im Landscape-Modus verwandeln sich die beiden Lautsprecher in Stereo-Speaker. Qualitativ hochwertiger ist der Sound aus den mitgelieferten In-Ear-Kopfhörern, die per USB C angeschlossen werden.

Dank automatisierter Kalibrierung – dafür wird ein kurzes Rauschen wiedergegeben, das im Ohr reflektiert und per Sonar ausgewertet wird – ist das Klangbild für jeden Träger optimiert. Außerdem bieten die Kopfhörer eine aktive Geräuschunterdrückung, durch die Umgebungsklänge nahezu ausgelöscht werden. Wer lieber eigene Headphones nutzen möchte, findet im Lieferumfang einen entsprechenden Adapter, der rund 20 Euro wert sein soll und die Audiodateien nahezu verlustfrei aufbereitet.

HTC U11 Kopfhörer
Die beigelegten In-Ear-Kopfhörer bieten Premium-Sound. Image by Jonas Haller

Edge Sense ermöglicht Aktionen per Händedruck

Die spannendste Innovation des HTC U11 dürfte das Edge Sense Feature sein. Dabei handelt es sich um einen drucksensitiven Teil des Rahmens, der sind in der unteren Gerätehälfte befindet. Durch einfachen Händedruck öffnet sich so die Kamera, eine weitere Krafteinwirkung hält die Szene fest. Ein langes Drücken startet den vorinstallierten Google Assistant. Das funktioniert auch unter Wasser und mit Handschuhen.

Der Clou der Funktion ist allerdings, dass die Verknüpfung in Zukunft frei konfigurierbar ist. Heißt im Klartext: Ab Juli bringt der Hersteller den „Edge Sense Companion“, über den auch andere Apps und Features wie etwa die Taschenlampe verknüpft werden können. Auch mehrere aufeinanderfolgende Funktionen auf einen Druck sind dann möglich – IFTTT lässt grüßen.

Aufgebohrtes Android OS mit nützlichen Features

Doch die clevere Shortcut-Funktion ist nicht das einzige Software-Feature, das sich HTC einfallen lassen hat. Wie auch die beiden Schwestergeräte besitzt das U11 den Sense Companion. Dabei handelt es sich um einen smarten Assistenten, der in der Hauptzeit unbemerkt im Hintergrund läuft und den Alltag durch Erinnerungen. So analysiert er etwa das Verkehrsaufkommen und schlägt vor sich etwas eher als sonst auf den Weg zu machen.

Das Fundament besteht aus Google Android 7.1.1, das mit der aufgeräumt schlichten Sense Oberfläche daher kommt. Sie kann durch den angebundenen Theme-Store nach eigenen Wünschen angepasst werden. Sehr offen zeigt sich HTC auch bei der Auswahl des Assistenten. Neben den angesprochenen Softwarefeatures Google Assistant und HTC Sense Companion, wird ab Juli auch Amazon Alexa auf dem U11 Einzug halten. Auf Zuruf kann ich dann mit der jeweiligen künstlichen Intelligenz Kontakt aufnehmen und sie einsetzen.

Bücher als Informationsquelle sind beim HTC U11 kaum noch nötig. Image by Jonas Haller

Schnelle Internetanbindung an Bord

Die Entwickler lassen sich auch in Sachen Konnektivität nicht lumpen. Die verbauten Funkmodule können sowohl WLAN bis ac (2,4 GHz und 5 GHz Frequenzband) als auch LTE Cat 16 mit einer Downloadgeschwindigkeit bis zu 1 GBit/s. Damit ist das Flaggschiff auch für das kürzlich gestartete LTE-Netz von Vodafone (Cat 11, bis 500 Mbit/s) bestens ausgerüstet. Neu ist ebenfalls, dass das U11 auch in Deutschland mit einer DualSIM-Funktion ausgestattet ist – zumindest sofern es im freien Handel geordert wird.
Des Weiteren sind selbstverständlich Module für Bluetooth 4.2, NFC sowie die Positionssysteme GPS, GLONASS und Beidoo an Bord.

Akkulaufzeit durch Powermanagement

Beim Akku selbst hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts getan, er bietet weiterhin 3.000 mAh. Dafür wurde das Energiemanagement weiter verbessert, wodurch die Laufzeit etwas zugelegt haben soll. Das werde ich im Test genauer unter die Lupe nehmen. Für das Aufladen steht ein USB 3.1 C Anschluss zur Verfügung. Das beigelegte Netzteil lädt das Smartphone innerhalb 30 Minuten um 50 Prozent, nach weiteren 60 Minuten vollständig auf.

Fazit: HTC U11 als geliftetes Flaggschiff

In diesem Jubiläumsjahr gilt für HTC einmal mehr sich von der starken Konkurrenz abzuheben. Auf dem ersten Blick gelingt das den Taiwanern nicht – ein schnödes 16:9-Display im speckig wirkenden Glasgehäuse können auch andere Hersteller. Doch wie so oft stecken die Dinge, die den Alltag aufwerten und erleichtern, im Detail.

Das große Alleinstellungsmerkmal des HTC U11 ist Edge Sense, das frei konfigurierbar die meistgenutzten Apps und Features per Händedruck öffnet. Die cleveren Softwarefeatures könnten die Interaktion und Einbindung des Smartphones in unser Leben nachhaltig verändern. Auch in Sachen Foto und Audio hat das gebeutelte Unternehmen an den richtigen Stellschrauben gedreht und sowohl die Ultrapixel-Kamera als auch die Lautsprecher samt Kopfhörer spürbar verbessert. Daumen hoch!

HTC U11 Farben
Das HTC U11 kommt in den Gehäusefarben Schwarz, Weiß, Silberblau und Blau auf den Markt. Image by Jonas Haller

Bleibt noch die Frage nach Preis und Verfügbarkeit: Ab sofort kann das HTC U11 zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 749 Euro in den Farben schwarz, weiß, silberblau und blau vorbestellt werden. Die Auslieferung beginnt bereits am 1. Juni. In rund sechs Wochen soll auch eine rote Variante aufschlagen. Ich freue mich jetzt schon auf den ausführlichen Alltagstest, der wir natürlich zeitnah hier veröffentlichen werden.


Images by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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