LG X Power 2 im Test: Akku-Monster für Einsteiger

Mit dem LG X Power 2 bringt LG ein Einsteiger-Smartphone auf den Markt, das sich vor allem durch eine überdurchschnittliche Akkulaufzeit auszeichnen soll. Dafür wurde an anderen Stellen des Smartphones gespart. Für einen Monat habe ich mein privates Haupt-Smartphone, ein iPhone 6, durch das neue LG X Power 2 ersetzt. Das Gerät wurde mir für den Test von 1&1 zur Verfügung gestellt. In welchem Fall das “Akku-Monster” etwas für dich ist, und unter welchen Umständen nicht, erfährst du jetzt.

Nur an wenigen Schrauben gedreht

Weniger als ein Jahr hat es gedauert, bis auf das erste LG X Power schon die zweite Generation folgte. Im Februar offiziell präsentiert, soll das LG X Power 2  schon bald zum Preis von 299 Euro verfügbar sein. Doch warum es das LG X Power 2 überhaupt braucht, ist mir noch nicht ganz klar. Viel hat sich nämlich nicht verändert: Das Display ist marginal in der Diagonale gewachsen, während die Auflösung beibehalten wurde. LG hat zu einem moderneren Chip gegriffen und die Kapazität des Akkus um wahnsinnige 200 mAh erhöht.

Die technischen Daten des LG X Power 2 in der Übersicht

  • Betriebssystem: Android 7.0 Nougat
  • Akku: 4.500 mAh
  • Display: HD-Auflösung 720 x 1.280 Pixel (5,5 Zoll)
  • Speicher: 2 GB Arbeitsspeicher / 16 GB interner Speicher (bis 2TB erweiterbar)
  • Prozessor: MediaTek MT6750 Octa-Core
  • Kameras: Hauptkamera mit 13 Megapixeln / Selfiekamera mit 5 Megapixeln

Das Smartphone wirkt wie ein ganz klassisches Einsteiger-Smartphone; mit seinen 5,5 Zoll bietet es eine mittlerweile gängige Größe. Die seitlichen Ränder des Bildschirms sind nicht sonderlich dünn. Der glänzende Rahmen rund um das Plastikgehäuse ist nicht aus Metall, sondern ebenfalls aus Kunststoff. Ein LG-Logo prangt auf Vorder- und Rückseite. Wer an physische Buttons zur Navigation gewöhnt ist, wird diese vermissen. Dafür sind Power- und Lautstärketasten gut erreichbar an den Seiten platziert, dazu haben sie einen soliden Druckpunkt und wirken ganz und gar nicht schwammig. “Gut erreichbar” jedoch nur mit Vorbehalt – das Displayformat ist nicht für alle Hände gleich gut geeignet. Am besten probiert ihr euch also erstmal mit einem ähnlichen Konkurrenten im Einzelhandel aus. Mit einem Gewicht von rund 164 Gramm liegt das LG X Power 2 nicht sonderlich schwer in der Hand, was durch die leichten Bauteile erreicht werden konnte.

Überraschend gutes Display

Beim Blick auf das Datenblatt war ich schon etwas skeptisch. Nur HD-Auflösung auf 5,5 Zoll –  das ergibt gerade mal eine Pixeldichte von 267 ppi und hört sich zunächst eher mager an. Das sogenannte “In-Cell-Display” des LG X Power 2 soll dank dünner Bauweise für eine lebhafte Farbwiedergabe sorgen und erfüllt diesen Job im Test mit Bravour. Hatte ich Pixelbrei erwartet, so habe ich letztendlich wenig Unterschied zu einem Full-HD-Display bemerkt – zumindest im Alltagsgebrauch. Verglichen mit dem Vorgänger ist die Auflösung jedoch gleich geblieben und nur die Display-Diagonale ist gestiegen. Die Pixeldichte dementsprechend ein wenig gesunken.

Nach einem Monat als Haupt-Smartphone ist mir kein großer Kritikpunkt an der Performance des LG X Power 2 aufgefallen. Gezockt habe ich mit dem Smartphone eher sporadisch. Die Oberfläche mit Android 7 reagiert im Normalfall sauber, das Wechseln der Apps zieht nur selten mal eine kurze Wartezeit mit sich. Videostreams über Netflix laufen ruckelfrei.

Hauptsächliches Verkaufsargument des LG X Power 2 ist selbstredend der Akku. LG hat sich hier Mühe gegeben. Die Kapazität von 4.500 mAh übertrifft viele aktuelle Flaggschiffe um gut die Hälfte. Wie lange eine Ladung im Einzelfall reicht, war innerhalb eines Tests schwerlich objektiv zu beurteilen. Ich würde mich jetzt nicht zwingend als “Heavy User” bezeichnen. Alle zehn Minuten werden dann in der Uni aber doch mal die Sozialen Netzwerke gecheckt, gesurft, WhatsApp benutzt oder auch eine kurze Runde gezockt – das alles zumeist im mobilen Netz. Trotzdem waren über 50 Stunden von Steckdose bis Steckdose durchaus realistisch.

LG X Power2 im Test
Image by Mika Baumeister

LG X Power 2 mit unterdurchschnittlicher Kamera

Im Lieferumfang des LG X Power 2 befinden sich neben einem Micro-USB-Kabel auch ein Headset und ein USB-Stecker. Der Adapter unterstützt das “Fast Charge”-Protokoll, das nach einer proprietärer Lösung klingt und nur wenig mit Qualcomms prominentem “Quick Charge” zu tun hat. Als Herzstück ist im LG X Power 2 der MediaTek MT6750 Octa-Core-Prozessor mit bis zu 1,5 GHz Taktrate verbaut. LG gibt zwei Stunden Ladezeit für 0 bis 100 Prozent an, der Wert bestätigte sich in meinem Test.

Das Display des LG X Power ist in Ordnung, die Performance ebenfalls. Der Akku ist mehr als überzeugend – warum also nicht sofort zuschlagen? Mein persönlicher Dealbreaker ist die verbaute Kamera. 13 Megapixel mit f/2.2-Blende sind hier einfach zu wenig. Selfies machen mit dem LG X Power 2 keinen Spaß. Ein schnelles Bild von meinem PC-Monitor wurde wegen des immer wieder wechselnden Autofokus völlig verhindert. Will man eine schnelle Bewegung einfangen, ist der perfekte Moment meistens längst vorbei. Auch die Frontkamera mit ihrem 120-Grad-Weitwinkel und 5 Megapixel-Auflösung konnte das für mich nicht rausholen. Wenn du also gerne und viele Bilder machst, wirst du mit dem LG X Power 2 nicht glücklich.

LG X Power 2: Solide Software, mehr aber auch nicht

Grundsätzlich bin ich jedem Betriebssystem offen gegenüber eingestellt, von daher war der Umstieg auf Android 7 (zurück) kein Problem. Und auch, wenn die LG-Oberfläche irgendwie nicht sonderlich modern oder hochwertig daherkommt, lässt sie sich immerhin von Haus individualisieren. Die einzelnen Tabs in den Einstellungen sind zur Liste umstellbar, der fehlende App Drawer auf dem Homescreen wird mit wenigen Klicks hinzugefügt. Positiv zu vermerken ist auf jeden Fall die Softwareaktualität. Schon in der ersten Woche der Benutzung erhielt das LG X Power 2 über ein Update das monatliche Security-Bulletin von Google. Ab Werk ist Android 7.0 Nougat vorinstalliert, das einige Vorzüge gegenüber der Vorgängerversion bietet. Die Möglichkeit, zwei Fenster verschiedener Apps untereinander zu benutzen, gehört dazu. Außerdem soll der Stromverbrauch noch weiter gedämmt, und die Performance noch etwas nach oben geschraubt worden sein, wobei sich das, mangels Vergleich, nicht feststellen lässt.

Kleine Randnotiz: LG bewirbt beim X Power 2 sogar ganz offensiv das „Gyroskop für ein besonderes AR- & VR-Erlebnis”, also einen Lagesensor, der seit langem im Smartphone Standard ist. Und bei der eher mageren Pixeldichte möchte ich mir das LG X Power 2 ganz sicher nicht vor die Augen klemmen.

Fazit: Akku-Monster mit wenigen Highlights

Bei LG steht die “X”-Serie dafür, bei jedem Gerät ein Feature ganz besonders herauszustellen – in diesem Fall natürlich der Akku. Das gelingt den Südkoreanern ganz hervorragend, denn so einen guten Akku hatte ich schon länger nicht mehr in einem aktuellen Smartphone. Dafür bleibt mir jedoch etwas zu viel auf der Strecke, wenngleich die Hardware im Inneren vollkommen in Ordnung ist und das Display mehr bietet, als erwartet. Die wirklich kaum zu gebrauchenden Kameras wären für mich vor allem zu dem Preis das absolute No-Go – vielleicht bin ich da auch einfach vom iPhone verwöhnt. Wenn mir das jedoch das nächste Mal nach einer halben Bahnfahrt schlappmacht, werde ich das LG X Power 2 vermissen. Für Einsteiger ist das 300 Euro teure „Akku-Monster“ eine gute Wahl, wenn das Smartphone mal länger als einen halben Tag ohne Strom auskommen muss.


Images by Mika Baumeister


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.

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