Vollpreis-Game fürs Smartphone: Layton’s Mystery Journey im Test

Die Spiele-Reihe um Professor Layton ist von den Nintendo-DS-Handhelds seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Im Jahr 2017 feiern die Rätsel-Spiele des japanischen Entwicklerstudios LEVEL-5 abby ihren 10. Geburtstag und wagen sich aus Anlass dieses Jubiläums in neue Gefilde: auf Mobilgeräte! Layton’s Mystery Journey ist als offizieller siebter Teil der Reihe zugleich auch der erste, der nicht zuerst auf einem Nintendo-DS-Gerät erscheinen, sondern schon Monate früher auf iOS- und Android-Geräten verfügbar sein wird. Mit 17,99 Euro drückt der Titel für ein App-Game ungewöhnlich auf die Tasche. Ob sich diese Ausgabe lohnt, zeigt mein Test.

Eckdaten:
• Release: ab sofort auf iOS und Android verfügbar, für den Nintendo 3DS im Herbst 2017 angekündigt
• Preis: 17,99 Euro
• 1,34 GB
• Ab 0 Jahren
• Zulässig für die Familienmediathek
• nach dem Herunterladen von Spieldaten offline spielbar

Gespielt habe ich das Game auf meinem Lenovo Moto G4 Plus mit der Android-Version 7.0. Am Anfang hatte des Spiel am Ladebildschirm gebuggt und mir das Menü nicht angezeigt. Dieser Bug wurde jetzt aber behoben und das Spiel läuft sehr flüssig, auch wenn das Gerät aber sehr heiß läuft.

Wie der Papa, so die Tochter

Seit nunmehr zehn Jahren bringt die Professor-Layton-Reihe die Köpfe der Spieler zum Rauchen. Die Reihe konnte im letzten Jahrzehnt mit ihrer Vielzahl cleverer Rätsel – vom Puzzle, über Matheaufgaben bis hin zu Logikproblemen – eine treue Fanbase aufbauen.

Honor 6A
Hershel Layton übergibt die symbolische Lupe an Tochter Katrielle. Images (adapted) by Level-5 abby

Mit den Layton-Teilen verhält es sich ähnlich wie mit Star Wars. Einer ersten Trilogie folgte nach deren Abschluss nochmals eine Prequel-Trilogie und somit ist „Layton’s Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre“ der erste wirklich chronologisch erscheinende Teil. Wie der Titel bereits verrät, steht diesmal nicht der allseits beliebte Professor im Fokus der Story, sondern seine Tochter Katrielle. Sie begleiten wir durch spannenden Fälle in einem malerischen London.

Das Gameplay bleibt, wie es Fans lieben

Das Gameplay bleibt in Layton’s Mystery Journey unverändert. In den Layton-Spielen “bewegt” sich der Spieler ausschließlich in Point-and-Click bzw. in diesem Falle ja Point-and-Touch-Wimmelbildern und untersucht diese Schauplätze klassisch mit Lupe nach Hinweisen. Passanten fühlen dem Spieler dann mit dem kniffligen Rätseln auf den Zahn. Solche Rätsel-Passagen reichen dann von einfachen Logikfragen bis hin zu echten Kopfzerbrechern. Beispielsweise sollte ich eine Uhr Mitternacht anzeigen lassen ohne sie zu berühren. Achtung Spoiler! Die Lösung war zu einfach, um darauf zu kommen: bis Mitternacht warten! In insgesamt zwölf Fällen knobelte ich mit mit Katrielle zudem durch die offiziell größte Menge, die ein Layton-Game je gesehen hat!

Abgelöst werden die Rätselpassagen gerne und häufig durch Cutscenes. Vor allem durch die liebevollen Zwischensequenzen zeichnet sich die Reihe aus und unterscheidet sich von anderen Zwischendrin-Daddel-Rätselgames. Bei anderen Games ersehne ich oft das Ende der Cutscenes, bei Layton ist das Gegenteil der Fall. Die Layton-Welt, in Katrielles Fall insbesondere London, ist außergewöhnlich liebevoll gestaltet. Das Charakterdesign der Nebencharaktere reicht von liebenswert bis lustig-exzentrisch und könnte unterschiedlicher nicht sein.

Nicht zuletzt der großartige Soundtrack mit den häufigen Streicher- und Akkordeon-Elementen untermauert den wohlig-warmen Nostalgie-Look des Games. Ein Layton-Spiel gibt einem so ein Gefühl wie ein gutes Buch bei Tee und Gewitter. Es fühlt sich einfach richtig und geborgen an und die Rätsel haben es trotz des knuddeligen Cartoon-Looks in sich.

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Layton’s Mystery Journey hat die größte Menge an Rätseln aller bisherigen Teile. Images (adapted) by Level-5 abby

Lohnt sich Layton’s Mystery Journey zum Vollpreis?

Layton ist bei weitem nicht der erste vollwertige Gaming-Titel für das Smartphone. Beispielsweise Nintendo hat schon mit Super Mario Run (zum Test auf iOS) und Fire Emblem Heroes Titel vorgelegt. Tatsächlich hatte die Layton-Reihe 2013 auch schon einen kostenlosen Gelegenheitsableger: Layton Brothers Mystery Room. Bei Super Mario Run wiegt aber beispielsweise immer noch der bittere Beigeschmack der Ingame-Käufe mit. Was für mich Handy-Spiele schon immer grundlegend von Handheld-Spielen unterschieden hat, waren eben diese unsäglichen “Geldfallen”: Ressourcen, die man aufbrauchte und nur nach Ablauf eines Timers wieder erhalten würde, oder eben dafür bezahlen musste.

Layton’s Mystery Journey also als Vollpreis-Titel herauszubringen, sehe ich als Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil es viele Spieler einfach abschrecken kann. („Fast 20 Euro für ein Handy-Spiel? Nein, danke!” und Segen, weil es sich für mich dadurch vollwertig anfühlt, was es eben auch ist.

Ich habe das Spiel auch auf dem Weg zur Arbeit gespielt und war dadurch mehr Smombie denn je, denn die Atmosphäre des Spiels zieht einen definitiv in seinen Bann. Es fühlt sich einfach richtig an – nicht wie eine kurzweilige, levelbasierte Minispiel-Reihe.  Ich sehe mich es nicht nur in der U-Bahn spielen, sondern auch zuhause auf der Couch. Das einzige Problem wäre so sehr ins Spiel vertieft zu sein, dass man beim stundenlangen durch London streifen mit Katrielle, vergisst das Handy zu laden.

Können sich vollwertige Spieletitel auf dem Smartphone durchsetzen? Das wird sich nicht mit diesem Game entscheiden. Doch der kühne Schritt des Publishers könnte einem Paradigmenwechsel im mobilen Gaming-Markt neue Nahrung verleihen. Durch die spannende Story und die liebevollen Charaktere hat der neue Layton-Teil den Status eines Konsolen-Titels, der diesen hohen Preis rechtfertigt.


Images (adapted) by Level-5 abby, Screenshots by Lisa Kneidl


About Lisa Kneidl
hat in Erlangen ihren Bachelor in Medienwissenschaft gemacht. Der Norden hat gerufen und somit ist sie jetzt in Hamburg bei den Netzpiloten gelandet.

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