Samsung Gear VR 2017 im Test: Mehr Kontrolle dank Controller

Mit der Samsung Gear VR in der neuesten Version möchte Samsung die Vormachtstellung auf dem mobilen VR-Markt festigen. Dafür nahmen die Koreaner prinzipiell die VR-Brille der vorherigen Generation und fügen einen Handcontroller hinzu. Ob die Samsung Gear VR 2017 den Thron erreicht, wollen wir im Test herausfinden.

Samsungs Gear VR ist seit dem Galaxy S6 eine feste Größe im Virtual-Reality-Markt. Die VR-Brille zeigte Herstellern der sogenannten Cardboards jahrelang, woher der Wind weht. Da beispielsweise Google keine klare Taktik präsentierte, war die Gear VR anderen VR-Brillen meist deutlich überlegen. Der proprietäre Ansatz bestrafte Samsung nicht: Zwar wurden nicht so viele Brillen verkauft wie eine für alle Smartphones offene Brille. Dafür sind die Anwendungen gut auf die Gear VR und die Galaxy-Telefone optimiert, was die Kunden natürlich auch dazu bringt, mehr Geld auszugeben. Über die älteren zwei Generationen der Samsung Gear VR konnte der Hersteller also schon Infos sammeln, welche Features benötigt werden und welche eher zweitrangig sein würden.

Samsung Gear VR 2017: Vier Galaxy-Generationen werden unterstützt

Die aktuelle Samsung Gear VR 2017 wurde neben dem Samsung Galaxy S8 vorgestellt und ist mit den Samsung-Smartphones S6, S6 edge, S7, S7 edge, Note 5, S8 und S8+ kompatibel. Das stellte die Firma vor ein Problem: Die älteren Telefone kommen mit dem älteren Micro-USB-Anschluss daher, die S8-Modelle nutzen allerdings USB Typ-C. Die beiden Anschlüsse sind nicht miteinander kompatibel. Deswegen könnt ihr die neue Gear VR 2017 mit zwei Adaptern auf den jeweilig benötigten Anschluss adaptieren.

Der Betrachtungswinkel wächst

Die alte Gear VR bot ein diagonales Sichtfeld von rund 90 Grad. Hier verbessert die neue Version einiges: Die Linsen hat Samsung so angepasst, dass das Sichtfeld nun bei 101 Grad liegt. Das Versenken in virtuelle Welten fällt damit leichter, und die VR-Brille ist in Sachen Field of View auf dem gleichen Level wie etwa die Oculus Rift oder HTC Vive.

Nun ist es so, dass ein größeres Sichtfeld auch weniger Pixel pro Grad bedeutet. Hier sieht der Nutzer ganz nach dem „Pixel-pro-Grad-Faktor“ mehr oder weniger stark den sogenannten Screen Door Effect. Hier wirkt Samsung mit einem logischen Schritt entgegen: Die Displayauflösung des Galaxy S8 liegt bei 1.440 mal 2.960 Pixeln, was sogar Desktop-VR-Brillen übertrumpft. Dadurch erscheinen Anwendungen teils richtig knackig.

Einrichtung einfach, aber mit Verzögerungen

Kommen wir von den technischen Spezifikationen zur Software. Setzt du das Galaxy S8 zum ersten Mal in die Samsung Gear VR 2017 ein, lädt das Telefon erst einmal Softwareupdates aus dem Internet. Danach kann es dann endlich mit dem Aufsetzen der Brille losgehen.

Bei der Software kooperiert Samsung umfangreich mit Oculus – und damit auch direkt mit dem sozialen Netzwerk Facebook als Besitzer Oculus‘. Während des ersten Aufsetzens der Samsung Gear VR 2017 merkt man das auch: Du musst dich mit deinem Facebook-Account anmelden, um die VR-Brille nutzen zu dürfen. Nach der Eingabe der Login-Infos geht’s dann in das Hauptmenü.

Wer schon einmal eine Oculus Rift aufgesetzt hat, wird sich zuhause fühlen: Die Oberfläche ist identisch zu der Desktop-VR-Brille. Im Startbildschirm befindest du dich auf einer Dachterrasse. Hier werden dir deine installierten Titel, der Appstore und deine Freunde angezeigt.

Samsung Gear VR 2017: VR-Brille im Test
Image by Mika Baumeister

Beim ersten Start wirst du durch ein kleines Tutorial geführt, in dem du die Vorteile von Virtual Reality hautnah erlebst und mit dem beigelegten Handcontroller erste Aktionen durchführst. Anschließend entweichen aus einem Buch Origami-Figuren, die Godzilla oder Schmetterlinge nachbilden. Die Demonstration ist technisch gut gemacht und hilft vor allem VR-Anfängern, die Möglichkeiten der Samsung Gear VR 2017 auszutesten.

App Store: Reichlich Auswahl, nur wenig gutes kostenloses

Der App Store der Gear VR, der übrigens auf der Plattform von Oculus basiert, bietet inzwischen mehrere hundert Spiele und Experiences an. So kannst du im All schweben, die Savanne in Afrika besuchen, das antike Rom begutachten oder unter Wasser mit Delfinen schwimmen. Eher der Gamer? Autorennen, Tower Defense, Flugzeugpilot, Zauberer, Bombenentschärfungen… All das und noch viel mehr bietet die neue Samsung Gear VR 2017.

Allerdings machen die Entwickler der VR-Programme Sparfüchsen einen Strich durch die Rechnung: Nur die wenigsten guten Anwendungen sind kostenlos. Während normale Apps sich außerhalb virtueller Welten durch Werbung und In-App-Käufe finanzieren können, ist das innerhalb von 360-Grad-Umgebungen nicht so einfach. Deswegen erscheinen verhältnismäßig viele Vollpreistitel auf der Samsung Gear VR 2017.

Zu den Must-Play-Titeln zählen:

  • EVE: Gunjack
  • Facebook 360
  • Ultrawings
  • Defense Grid 2
  • Sisters

Samsung Gear VR 2017: Endlich mit Controller!

Wenn jemand so wie ich schon alle VR-Brillen ausprobiert hat und man bei Desktop-HMDs mit zwei Händen mit der Spielwelt interagieren kann, kommt einem Mobile VR wie eine Spielwiese für Kleinkinder vor. Allerdings war außer Videos zu gucken und minimalster Interaktion durch Kopfbewegungen zum Zielen oder Bewegen, mit älteren Brillen nicht viel möglich. Deswegen war die Google Daydream View für mich auch die erste wirklich gute mobile VR-Brille. Zudem bot sie als erste einen nativen Controller, der mit allen Apps kompatibel war. Erstmals gab es für Programmierer einen Standard, für den sie ihre Spiele optimiert entwickeln konnten.

Samsung Gear VR 2017: VR-Brille im Test
Image by Mika Baumeister

Kein Wunder also, dass Samsung hinterherzieht. Der Controller, der auch schon im Hands-on überzeugte, liegt gut in der Hand und kann bei der Steuerung überzeugen. Zudem ist der Trigger-Button auf der Rückseite, der perfekt vom Zeigefinger gedrückt wird, vor allem bei Anwendungen, bei denen auf etwas gezeigt wird, sehr sinnig. Zudem ermöglicht das recht große runde Touch-Feld Wischgesten. Per Klick auf diesen Bereich kann der Gear VR-Nutzer weiter interagieren. Die Tasten unter der berührungssensitiven Oberfläche bringen dich wahlweise zurück, bis zum Hauptbildschirm oder verstellen die Lautstärke.

Im Gegensatz zum Controller des Google Daydream View ist der der Samsung Gear VR 2017 ergonomischer geformt. Außerdem gibt es keinen Sensoren-Drift, der bei dem View-Controller stark störte: Der Zeiger zeigt immer dorthin, wo er auch hin zeigen soll. Ein Nice-to-Have wäre ein Tracking der Hand im Raum. Die Oculus Rift setzt auf Kamerasensoren, die die Position der Hände und Brille im Raum genau bestimmen. Das ist bei der Gear VR nicht der Fall, die Hand ist immer an der gleichen Stelle und bewegt sich nicht, wenn du beispielsweise den Arm über den Kopf halten würdest. Das stört bei VR-Apps aber nur wenig.

Fazit: Samsung Gear VR 2017 derzeit beste Mobile VR-Brille

Samsung hat sich die Krone mit der neuen Version der Samsung Gear VR nicht einfach aufsetzen lassen, sondern musste Googles VR-Lösung erst überbieten. Das schafft der Konzern aus Korea auch knapp. Besser gefällt der Touch-Controller, der genauer und besser geformt ist. Allerdings ist die Brille selbst ist im direkten Vergleich klobiger und schwerer als das Daydream-View-Headset. Der große Sichtbereich von 100 Grad ist zusammen mit der hohen Displayauflösung des Galaxy S8 ein Augenschmaus und übertrumpft sogar die Auflösung der HTC Vive oder Oculus Rift.

Aber für wen lohnt sich der Kauf einer Samsung Gear VR? Na, für viele Nutzer eines Galaxy S6, S7 oder S8. Bei weitem nicht jeder hat Lust auf Virtual Reality. Aber die Gear VR macht einen echt guten Job, Einsteigern Virtual Reality näher zu bringen. Solltest du eine ältere Version der Gear VR ohne Controller und mit niedrigerem Sichtfeld besitzen, verkaufe die alte Brille und investiere in die neue Gear VR – der Kauf lohnt sich, wenn du von VR bereits angefixt worden bist. Die Samsung Gear VR 2017 kostet bei Samsung 129 Euro – noch bis Ende August lockt Samsung mit einer „Gamescom“-Aktion, bei der nach Abzug eines Rabatt nur noch 90 Euro für die VR-Brille fällig werden.


Images by Mika Baumeister


About Mika Baumeister
Mika studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.

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