Rustikaler Sportsfreund: Huawei Watch 2 im Test

Smartwatches haben das Zeug zu einem regelrechten Mini-Computer fürs Handgelenk. Doch die meisten Konsumenten nutzen am häufigsten die Fitness-Funktionen. Kein Wunder, dass die Smartwatch-Anbieter im Modelljahr 2017 vor allem die sportlichen Aspekte ihrer aktuellen Produktgeneration in den Vordergrund stellen. Das gilt auch für die Huawei Watch 2, die der Hersteller im Frühjahr vorgestellt hat. Wie der Hybrid aus Smartwatch und Fitnessuhr sich im Alltag schlägt, habe ich jetzt für euch ausprobiert.

Robuste Formsprache ohne Eleganz

Der Lieferumfang ist spartanisch. Nach dem Auspacken erwartete mich neben der Uhr nur ein magnetisches Ladekabel, ein USB-Netzteil sowie eine Kurzanleitung. Hingegen bei der Materialauswahl und der Verarbeitung der Huawei Watch 2 hat der Hersteller nicht gespart. Sie  wirkt hochwertig, wenn auch nicht sonderlich elegant.

Huawei-Watch 2
Image by Timo Brauer

Im Vergleich etwa zur Apple Watch verfügt die Huawei-Uhr über ein deutlich kleineres Display mit einer Diagonale von 1,2 Zoll und ein sehr sportives Design. Dazu tragen auch schwarzen, grauen oder orangenen Kunststoffarmbänder der Standard-Variante bei. Daher erinnert mich das Aussehen eher an eine Sportuhr von Garmin oder Polar, als an eine „normale“ Smartwatch. Aber genau diese Zielgruppe möchte Huawei mit der ab 250 Euro erhältlichen Watch 2 ansprechen.

Um dennoch die design-bewusste Klientel nicht zu verprellen, bietet Huawei gegen einen Aufpreis von 70 Euro auch eine Uhren-Version mit einem Gehäuse aus Edelstahl und einem schwarzen Lederarmband anstelle von Kunststoff.

Es lebe der Sport!

Im Gegensatz zu den meisten andern Smartwatches verfügt die Huawei Watch 2 über zwei Tasten an der rechten Seite. Die obere Taste fungiert als Home- und Powerbutton und die untere Taste ist frei belegbar. Standardmäßig öffnet sie die Aktivitäten-App.

In der Begleitanwendung stehen euch verschiedene Sportarten wie Gehen, Laufen, Fahrradfahren, Cardio, Laufbandtraining und Indoor-Cycling zur Verfügung. Im Vergleich mit der Apple Watch fehlen Rudertrainer, Stepper und trotz vorhandener IP68-Zertifizierung Schwimmen.

Huawei Watch 2
Screenshots by Timo Brauer

Die Datenerfassung funktionierte dank eingebautem GPS mit und ohne Smartphone in der Tasche sehr genau. Ich habe die Werte mit denen der Apple Watch verglichen und die Ergebnisse stimmten weitestgehend überein. Das einzige Problem war, dass die Datenerfassung zwar automatisch pausiert, wenn man eine Pause macht, aber nicht selbstständig wieder startet. Dieses Problem lässt sich aber sicherlich mit einem Software-Update seitens Huawei lösen.

Die aufgezeichneten Trainings, verbrannte Kalorien, sowie zurückgelegte Schritte und Kilometer lassen sich in der Huawei-Wear-App anzeigen. Hier lassen sich auch individuelle Trainingspläne erstellen und über mehrere Wochen verfolgen.

Ein Smartphone wird nicht zwingend benötigt

Die Huawei Watch 2 gehört zusammen mit der LG Watch Urbane 2 zu einer der ersten Smartwatches, die direkt mit Android Wear 2.0 ausgeliefert werden. Dadurch sind die Uhren deutlich unabhängiger von dem verbundenen Smartphone.

Das liegt vor allem daran, dass der Play Store bereits auf der Uhr vorinstalliert ist. Daher könnt ihr, ohne zum Smartphone greifen zu müssen, neue Apps installieren. Das ist besonders für diejenigen Nutzer interessant, die die Huawei Watch 2 in Verbindung mit einem iPhone verwenden wollen. Bisher konnten iPhone-Nutzer keine Apps auf eine Uhr mit Android Wear laden.

Normalerweise verbindet sich die Smartwatch per Bluetooth mit einem Handy. Wenn beide Geräte sich im selben WLAN befinden, können sie auch darüber kommunizieren. Doch die Huawei Watch 2 bietet jedoch noch eine zusätzliche optionale Ausstattungsmöglichkeit. Gegen einen Aufpreis von rund 50 Euro lässt sich die Uhr auch mit LTE-Anbindung erwerben. Montiert ihr dann eine Nano-SIM-Karte, könnt ihr unabhängig von eurem Smartphone mit der Huawei Watch 2 Nachrichten empfangen, oder Anrufe tätigen.

Helles Display, lange Akkulaufzeit

Die weitere Hardware weiß auch zu überzeugen. Der verbaute Snapdragon Wear 2100 von Qualcomm sowie die 768 Megabyte RAM sorgen für eine relativ flüssige Bedienung. Nur bei längeren Menüs kommt es zu kleinen Rucklern. Das 1,2 Zoll große, runde OLED Display besitzt eine Auflösung von 390 x 390 Pixeln, ist sehr hell und lässt sich auch draußen bei Sonnenschein problemlos ablesen. Für meinen Geschmack könnte es jedoch etwas größer sein, da gerade durch den runden Formfaktor nur relativ wenige Informationen auf das Display passen. Sehr praktisch hingegen ist, dass der Display immer eingeschaltet bleibt und man die Uhr nicht erst anheben muss, um die Uhrzeit abzulesen. Dies ähnelt dem Always-On-Feature der Samsung Gear S3, war aber auch schon bei der ersten Huawei Watch vorhanden. Über einen Pulsmesser verfügt die Huawei Watch 2 ebenfalls.

Huawei Watch 2
Image by Timo Brauer

Test-Fazit Huawei Watch 2: Frage des Designs

Mit der Huawei Watch 2 gelingt dem Hersteller in funktionaler Hinsicht ein Volltreffer. Technisch ist die Smartwatch top. Auch die gebotenen Funktionen rechtfertigen meiner Ansicht nach den gehobenen Preis von 250 bis 400 Euro. Die Verarbeitungsqualität ist ebenfalls auf einem hohen Niveau. Außerdem bietet Android Wear 2 einen großen Fortschritt gegenüber der ersten Version von Huaweis Computeruhr. Zusammen mit der – nicht von mir getesteten – LTE-Funktion erlaubt das Betriebssystem wirkliche Unabhängigkeit von einem Smartphone.

Eine Entscheidung für oder gegen die Huawei Watch 2 dürfte für viele jedoch möglicherweise aufgrund des Designs fallen. Angesichts der rustikalen Formsprache ist die Huawei Watch 2 eine Computeruhr, die so mancher vielleicht nicht abseits des Sports am Handgelenk präsentieren möchte.

Wer eigentlich keine vollwertige Smartwatch, sondern nur einen Fitnesstracker braucht, findet hier eine Auswahl empfehlenswerter Modelle.


Images und Screenshots by Timo Brauer


About Timo Brauer
Timo studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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