Optoma ML330 im Test: Starker Kompakt-Beamer mit altem Android

Beamer oder doch lieber Monitor? Diese Frage stellt sich in Zeiten von günstiger werdenden LED-Beamern immer häufiger. Zudem bieten kompakte Projektoren wegen ihrer kleineren Bauweise den Vorteil, sich leicht transportieren zu lassen. Der Optoma ML330 erfüllt alle diese Kriterien – und wird sogar von einem Android-Betriebssystem angetrieben. Das spricht für softwareseitige Flexibilität. In der Praxis bringt dies jedoch keinen Vorteil, wie mein Test zeigt.

Optoma ML330 überzeugt mit leuchtstarker LED-Lampe

Obgleich Optoma neuerdings auch in Kopfhörer macht, ist der Hersteller vor allem auf dem Projektoren-Markt ein bekannter Name. Seit 2002 stellt die Firma Beamer aller Art her, sei es für den Heimanwender oder professionelle Einsätze. Eine besonders interessante Neuerung für den „normalen“ Anwender hat das Modell Optoma ML330 zu bieten. Dieser Beamer mit den kompakten Maßen von 15,7 zu 13,3 zu 3,5 Zentimetern projiziert die Bilder mit einem LED-Leuchtmittel statt einer konventionellen Lampe.

Bauweise und Leuchtkraft profitieren davon: Die Leuchtdiode braucht weniger Platz und ist zudem heller. Mit 500 ANSI-Lumen beziffert der Hersteller die Helligkeit. Das entspricht ungefähr dem Niveau einer 50 Watt-Glühbirne. Damit leistet der Optoma ML330 deutlich mehr als vergleichbare Kompakt-Modelle.

Tatsächlich kann der ML330 schon bei helleren Umgebungen akzeptable Ergebnisse erzielen. Ist es draußen bewölkt und der Beamer nicht mehr als 1,5 Meter von der Wand entfernt, lassen sich viele Details erkennen. Richtig dunkle Stellen wie bei einem OLED-Monitor gibt es prinzipbedingt aber natürlich nicht.

Der Optoma ML330 zeichnet sich durch seine kompakten Maße aus. Image by Mika Baumeister

In einem abgedunkelten Zimmer oder bei Nacht spielt der Mini-Beamer seine Karten am besten aus. Aus einer Entfernung von drei Metern projiziert der Optoma ML330 fast wie ein Großer die Bilder an die Wand. Die Farbwiedergabe ist sehr genau. Zwar kann man erkennen, an welchen Stellen das theoretisch anzeigbare Bild endet, da es eine gewisse Grundhelligkeit gibt. Dafür müsstest du aber tatsächlich einen verdammt langweiligen Film schauen. Im Normalfall nimmst du dieses Phänomen nicht wahr.

Sehr scharfe Darstellung auf bis zu 120 Zoll Wanddiagonale

Die Auflösung mit 1280 x 800 Bildpunkten ist für einen Beamer dieser Größenordnung sehr hoch. Die Pixel sind aus der Distanz nicht erkennbar und ein Fliegengitter-Raster, wie man es von manchen anderen Beamern kennt, ist fast nicht vorhanden. Selbst bei drei Metern Abstand, wenn die projizierte Bilddiagonale bei atemberaubenden 120 Zoll liegt, ist das Bild noch scharf.

Ein weiteres Highlight ist die sogenannte „Keystone“-Funktion des Beamers. So hat der Optoma ML330 einen Lagesensor verbaut, der die Ausrichtung des Projektors erkennt. Je nach Ausrichtung und Winkel zur Wand transformiert der Beamer das Bild automatisch in ein Trapez, sodass das für den Nutzer sichtbare Bild trotzdem rechteckig ist. Das können selbst große, schwere und teure Beamer für den Home Entertainment-Bereich nicht.

Die Fokusfunktion klappt einwandfrei: Ab einem Abstand von etwa 20 Zentimetern ist das Bild scharfgestellt. Der Optoma ML330 lässt sich bis ins Unendliche fokussieren. Bei der Einstellung muss man recht akkurat sein: Schon minimales Drehen am kleinen Fokusrädchen verändert die Bildschärfe stark. Zum Teil muss nach einigen Minuten laufenden Betriebes die Schärfe minimal angepasst werden.

Wer will, kann auch in einem dedizierten Menü ein paar Einstellungen des Beamers verändern. Helligkeit und Kontrast, Farben und ähnliches sind anpassbar. Im Energiesparmodus leuchtet der ML330 dunkler, verbraucht aber logischerweise weniger Energie.

Lieber zusätzliche Lautsprecher verwenden

Ohne externe Lautsprecher ist der Optoma ML330 nur eingeschränkt zu empfehlen. Zwar ist ein Monolautsprecher mit drei Watt Leistung verbaut. Aber dieser ist weder besonders laut noch wirklich klangecht. Dafür muss man den Beamer aber wirklich für seine Grundlautstärke loben. Schon ein niedriger Lautstärkepegel von Filmen oder Serien verdrängt das Geräusch des Kühlers völlig. Der verbaute Lüfter zur Kühlung des Leuchtmittels ist im Leerlauf zwar hörbar, aber keinesfalls störend. Die geringe Größe sorgt also nicht dafür, dass das Gerät unangenehm laut wird, wie man es vielleicht von manchen Notebooks kennt.

Anschlüsse: Dieser Beamer knüpft gern neue Kontakte

Optoma ML330
Der Optoma ist mit Anschlüssen gut ausgesttatet. Image by Mika Baumeister

Der Projektor ist recht kontaktfreudig: Auf der Rückseite bietet er Anschlüsse für HDMI, LAN, einen analogen Videoeingang, einen MicroSD-Kartenslot sowie zwei USB-Eingänge – einmal 2.0 und einmal 3.0. Ein Audioausgang komplettiert die kabelgebundene Konnektivität. An Funkstandards unterstützt der Optoma ML330 WLAN und Bluetooth. Nur Miracast fehlt. Daher kann der Beamer keine Bildschirminhalte drahtlos spiegeln.

Hochwertige Transport-Box und ausgeklügelte Fernbedienung

Zum Lieferumfang gehört auch ein stabiles Hardcase für den Transport. In diesem finden alle Teile des Beamers Platz: Neben dem ML330 selbst sind dies das Netzteil, ein Kabel für Analogvideo, ein HDMI-Kabel und zu guter Letzt eine kleine aber sehr praktische Fernbedienung.

Im Prinzip bietet die Fernbedienung die gleichen Steueroptionen, die auch auf dem Projektor selbst auswählbar sind. Mit einem Steuerkreis kann ein bestimmtes Element auf der Android-Oberfläche ausgewählt werden, ein Okay-Knopf bestätigt die Eingabe. Zwei Knöpfe führen zur Startfläche oder in die vorherige Ansicht. An der oberen Leiste findet sich eine Lautstärkewippe. Zwischen den Lauter-und Leiser-Tastern gibt es einen Modus-Änderer. Dieser macht aus dem objektgebundenen Pointer, der mit dem Steuerkreis bedient wird, eine normale Maus. Das erleichtert die Bedienung des Beamers an einigen Stellen. Allerdings dauert die Bedienung per Maus auch länger.

Optoma ML330 Fernbedienung
Die Fernbedienung des Optoma ML330 ist gut durchdacht. Image by Mika Baumeister

Tatsächlich ist es am sinnvollsten, sich eine Bluetooth-Tastatur mit integriertem Trackpad zuzulegen. Dies vereinfacht und beschleunigt die Bedienung aus der Distanz erheblich. Denn schon die Eingabe eines einzigen Filmtitels per Fernbedienung ist umständlich. DLNA lässt sich zum Glück über die Kodi-Software verwenden.

Durchwachsene Software: Tolle Apps, gehandicaptes Android

Ja, der Optoma ML330 kommt mit Android daher. Das ist auf dem Beamer-Markt noch eine Besonderheit und weckte vor dem Test große Vorfreude bei mir. Sie verblasste jedoch bereits bei der Ersteinrichtung, als ich feststellte, dass es sich um Android 4.4 handelt. Diese Version kam 2013 auf dem Markt und ist nach Maßstäben des smarten Zeitalters total veraltet.

Das antike Android ist deshalb von Nachteil, weil sich nicht mehr ohne Weiteres alle aktuellen Versionen beliebter Apps installieren lassen. Die Auswahl des vorinstallierten, proprietären App Stores ist zwar akzeptabel, beinhaltet aber leider bei Weitem nicht alle Programme, die ich mir wünschen würde.

Optoma ML330 App Store
Der Beamer kommt mit Android und einem eigenen App-Store. Image by Mika Baumeister

Wegen des fehlenden Google Play Store und dadurch auch der ausbleibenden Play Services wurden Anwendungen häufig zwar installiert, aber sofort wieder beendet. Die Play Services müssen nämlich für viele der Standard-Apps installiert sein. Dadurch liefen Netflix, YouTube und Amazon Prime Video nicht auf dem Optoma ML330. Auf der IFA schloss ich mich mit einem Mitarbeiter von Optoma kurz, dem es gelang, die Anwendungen trotz Hinweis auf fehlende Play Services zu nutzen. In meinem Test-Setup konnte ich dies aber nicht reproduzieren. Auch der Versuch, die APK des Google Play Store mit einem Sideload auf den Beamer zu bekommen, scheiterte.

Optoma ML330
Weil die Play Services fehlen, lassen sich viele Apps nicht installieren. Image by Mika Baumeister

Immerhin stellte sich die installierte Version des Medienplayers Kodi als performant heraus. Hier gab es keine Zicken wegen nicht installierter Dienste, das Programm funktionierte einfach. Kodi schaffte es beispielsweise anstandslos, die MKV-Datei von einer BluRay mit Full-HD-Auflösung flüssig abzuspielen. Dem ebenfalls vorinstallierten Videoplayer von Optoma ist Kodi definitiv vorzuziehen.

Die Rechenleistung wiederum ist nur durchschnittlich. Der verbaute Mediatek-Prozessor mit vier Kernen braucht pro App eine längere Bedenkpause beim Öffnen. Die geringe Reaktionsgeschwindigkeit führte auch im App Store zu Missverständnissen. In der Annahme, dass ein Klick nicht erkannt wurde, führte ein abermaliger Klick meinerseits öfters gleich zur unerwünschten Installation eines Programms.

Fazit: Gewohnte Hardware-Qualität mit Verbesserungspotenzial bei der Software

Eine Hardware-Firma kann nicht auf Anhieb gute Software liefern. Das gilt auch für Optoma. So überzeugt der Hersteller zwar mit einem leistungsstarken Beamer, der gute Bildergebnisse und eine für seine Größe überragenden Lichtausbeute liefert. Auch die Konnektivität ist hervorragend. Die meisten Anwender werden keinen Anschluss vermissen. Jedoch bei der Software lässt Optoma zu wünschen übrig. Mit der Entscheidung für das veraltete Android 4.4 und dem Verzicht auf die Play Services schränkt der Hersteller die Möglichkeiten für die Nutzer einfach sehr stark ein.

Im Markt für kompakte Beamer ist der ML330 von Optoma aus meiner Sicht in Bezug auf die Hardware das Nonplusultra. Heller kann keiner, mehr Pixel auch nicht – selbst, wenn diverse Produktbeschreibungen von Amazon und eBay anderes behaupten. Wer also einfach nur einen kompakten Beamer sucht, über den er zugespielte Inhalte an die Wand werfen möchte, liegt mit dem Optoma ML330 richtig. Wer hingegen den Beamer als autarke Medien-Streaming-Box verwenden möchte, könnte vom gehandicapten Android 4.4 enttäuscht sein. Daher würde ich erst nach einem Update auf eine aktuelle Android-Version mit Google-Play-Diensten dem Optoma ML330 eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für Android-Fans aussprechen. Vor diesem Hintergrund ist der Preis von 450 Euro ambitioniert, zumal Käufer dafür alternativ auch einen noch leistungs- und leuchtstärkeren FullHD-Beamer zur Festinstallation erhalten.


Images by Mika Baumeister


About Mika Baumeister
Mika studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.