Koop statt Kauf: Warum der Deal zwischen Google und HTC eine gute Sache ist

Einer der großen Verlierer der letzten Jahre im Smartphone-Bereich ist zweifelsohne der einstige Pionier HTC. Die letzten Modellgenerationen verkauften sich eher schlecht als recht. Zumindest stellt das aktuelle Flaggschiff U11 einen Hoffnungsschimmer dar, die Verkaufszahlen sind solide. Doch das reicht nicht. Lange Zeit stand eine Übernahme durch Google im Raum, soweit soll es erst einmal nicht kommen. Gegen eine Finanzspritze will HTC Expertise und Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Diese Vereinbarung zwischen Google und HTC ist für beide Seiten sehr positiv. Auch Android-Anwender dürften davon profitieren.

Pixel-Marke soll weiterentwickelt werden

Google meint es ernst. Im letzten Jahr hat der Konzern mit den Pixel-Smartphones seine ersten eigenen Geräte auf den Markt gebracht. Sie sollten mit Premium-Qualität, aber auch einem Premium-Preis dem Branchenprimus iPhone Paroli bieten. Eine nahtlose Android-Integration und schnelle Updates sollten Kunden locken. Zumindest in den USA kam das sehr gut an. Hierzulande scheiterte ein erfolgreicher Marktstart an der breiten Verfügbarkeit. Zudem fehlen dem Gerät schlagende Alleinstellungsmerkmale, die es vom Wettbewerb deutlich abheben.

Das will das Unternehmen allerdings ändern. Die Marke Pixel soll Googles Technologieträger im Smartphone-Bereich sein und als Vorzeige-Objekt noch besser werden. Dafür braucht es allerdings auch fähige Ingenieure und Technologie. Bereits im letzten Jahr hatte man eng mit dem taiwanischen Hardwarehersteller HTC zusammengearbeitet. Diese Kooperation soll nun ausgebaut werden.

1,1 Milliarden Dollar gegen Know-how

Im Speziellen gibt HTC gegen 1,1 Milliarden Dollar Mitarbeiter sowie Patente an den Software-Partner Google ab. Das lies Rick Osterloh, Senior Vice President Hardware, auf dem Unternehmensblog verlauten. Die Entwickler sollen in Projekten ihr Know-How einbringen, sind aber auch weiterhin für HTC verfügbar. Diese Symbiose könnte nicht nur einen finanziellen Gewinn für die Taiwaner darstellen. Denn HTC arbeitet auch weiterhin an neuen Mobiltelefonen, die in den nächsten Monaten und in 2018 präsentiert werden. Engere Google-Verzahnung nicht ausgeschlossen.

Doch nicht nur die menschliche Expertise wird Google helfen. Der Deal beinhaltet auch eine Reihe von Patenten, auf die das Unternehmen aus Mountain View kostenfreien Zugriff erhält. Nicht ausgeschlossen also, dass die Pixel-Phones in Zukunft mit der Squeeze-Funktion Edge Sense, Hi-Res-Audio USonic und BoomSound-Lautsprechern daher kommen. Das ist genau die Art von außergewöhnlichen Features, die der Google-Pixel-Reihe bisher fehlen, um bei Smartphone-Fans und Tech-Szene einen Wow-Effekt hervorzurufen. Auch die VR-Kompetenzen werden eine wichtige Rolle spielen – Stichwort Daydream View.

Wechsel der Hardware-Partner nicht mehr vorgesehen

Google geht damit einen schmalen Grat zwischen eigenem Erfolg und der guten Zusammenarbeit mit Partnern wie Samsung, Huawei und Co. Denn der Wechsel von Hardware-Partnern, wie sie noch bei den Nexus-Geräten die Regel waren, fällt zukünftig weg. Mitbewerber könnten sich verärgert zeigen. Es bleibt also abzuwarten wie die Reise für Google und HTC weitergehen wird. Für Anfang Oktober kündigte Rick Osterloh bereits neue Pixel-Geräte an.

Ein Guter Deal für Google und HTC

Für Google und HTC dürfte sich der Deal jedoch auszahlen. Google erhält besseren Zugriff auf innovative Smartphone-Features, die in einem übersättigten Markt für den benötigten Buzz sorgen können. Außerdem versetzt Google die engere Partnerschaft mit HTC in die Lage, das eigene Ökosystem aus Hardware und Software zu stärken. In diesem Punkt läuft Google den Rivalen Apple und auch Microsoft mit seiner Surface-Reihe hinterher.

Für HTC ist der Deal von Vorteil, weil das taiwanesiche Unternehmen weiterhin unabhängig bleibt und sich nicht von einem neuen Eigentümer reinreden lassen muss. Bei einem Aufkauf wäre das der Fall gewesen. Zudem wäre eine Übernahme durch Google möglicherweise auch keine planungssichere Lösung gewesen. Im Fall von Motorola entschied sich Google schnell, die Tochter weiter an Lenovo zu verkaufen.

Fans der HTC-Geräte können sich freuen, dass ihre Lieblingsmarke weiterhin bestehen bleibt. In der Vergangenheit hat das Unternehmen viele Geräte herausgebracht, an denen es viel zu mögen gibt. Nach einer innovationsarmen Durststrecke hat HTC mit dem U11 daran auch wieder angeknüpft. Dass auch weiterhin spannende Android-Smartphones von HTC zu erwarten sind, hat der Deal zwischen Google und HTC ein Stück wahrscheinlicher gemacht.

(bkl)


Image by Jonas Haller


About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.