Huawei Mate 10 Pro im Hands-On: Augenweide mit solider Performance

Huawei hat in München die beiden Smartphone Top-Modelle Mate 10 und Mate 10 Pro vorgestellt. Beide Geräte bieten die gleiche Dual-Kamera und werden von Huaweis brandneuem Kirin-970-Chipset angetrieben. Das erste mobile Chipset mit einem integrierten Prozessor für künstliche Intelligenz – von Huawei „Neural Network Processing Unit“ (NPU) getauft –  bietet neue Möglichkeiten. Ich hatte die Gelegenheit, das Huawei Mate 10 Pro schon einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier sind meine erste Eindrücke. Ein ausführlicher Test folgt dann in den nächsten Wochen.

Huawei Mate 10 Pro: Edles Design und IP67-Zertifizierung

Die Hauptunterschiede zwischen dem Standardmodell des Huawei Mate 10 und der Pro-Version liegen im Bereich der Speicherausstattung (4GB RAM / 64GB Speicher im Mate 10 versus 6GB / 128 GB im Mate 10 Pro) und des Displays. Das Mate 10 hat einen 5,9-Zoll-RGBW-Bildschirm mit 16:9 Seitenverhältnis und 2.560 x 1.440 Pixeln. Das 6-Zoll-Display im Pro bietet hingegen AMOLED-Technologie und eine Auflösung von 2.160 x 1.080 Pixeln. Dank eines 18:9 Seitenverhältnisses und extrem dünnen Rahmens nimmt das Display im Huawei Mate 10 Pro fast die komplette Front ein.

Das Flaggschiff kommt mit Huwei-typischem, unauffälligem aber durchaus ansprechendem Design. Obschon das Handy recht groß ist, fühlen sich die leicht abgerundeter Kanten angenehm in der Hand an. Außerdem halten minimale Bildschirmränder die Dimensionen des Huawei Mate 10 Pro für ein Gerät der 6-Zoll-Klasse erstaunlich kompakt.

Zusätzlich ist das Huawei Mate 10 Pro IP67-zertifiziert und damit wasser- und staubdicht, was auch den ungefährdeten Einsatz am Strand oder bei Regen ermöglicht. Die glasbeschichtete Rückseite zieht zum Glück Fingerabdrücke weniger an, als man vermutet hätte. Das verleiht dem Gerät allerdings eine edle Note.

Dabei folgt Huawei auch dem Trend, auf eine Klinkenbuchse zu verzichten. Dementsprechend sind Kopfhörer mit USB-C-Anschluss im Lieferumfang enthalten. Der „Mocha Brown“ genannte Farbton meines Testmodells ist wohl Geschmacksache. Für diejenigen, die es eher klassisch mögen, ist das Huawei Mate 10 Pro aber auch in Schwarz und Silber erhältlich.

Die Kamera glänzt mit lichtstarker Blende und künstlicher Intelligenz

Wie bei den Vorgängermodellen wurde die Dual-Kamera in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt. Mit einem 12 Megapixel auflösenden RGB-Sensor und einem 20 Megapixel auflösenden Monochrom-Chip ist die Bildauflösung im Kameramodul gegenüber dem Mate 9 unverändert. Allerdings bieten beide Objektive jetzt eine sehr lichstarke f/1.6-Blende, was sich vor allem in schlechten Lichtverhältnissen positiv auswirken sollte.

Zusätzlich verbessert wird die Kamera des Huawei Mate 10 Pro durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dank Objekt- und Bewegungserkennung in der Aufnahmeszene kann die Kamera zum Beispiel automatisch einen von 13 Szene-Modi auswählen oder die Belichtungszeit anpassen, um verwischte Fotos zu vermeiden. Im Kurztest können diese Funktionen durchaus schon punkten. Objekte wie Pflanzen oder Essen werden recht verlässlich erkannt. Zudem werden bewegte Objekte in schlechtem Licht oder Gegenlicht scharf abgebildet.

Huawei hat auch weiter an der Bokeh-Funktion gefeilt, die jetzt noch besser zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden und letzteren unscharf darstellen kann. Andererseits gibt es bei kompliziert geformten Subjekten, wie der Pflanze in unserem Testfoto, aber trotzdem noch Verbesserungspotenzial.

Zudem ermöglicht die hohe Auflösung in der Schwarzweiss-Kamera einen „verlustfreien“ Zweifach-Zoom. Kurzum konnte der Zoom in meinem Kurztest durchaus gute Resultate erzielen, die den optischen Lösungen im Samsung Galaxy Note 8 oder iPhone 8 Plus sehr nahe kommen.

(Update, 20.10.2017) Die Bildqualität gefällt nicht nur mir, sondern ist offenbar auch objektiv ausgezeichnet. Laut DxO Mark ist das Huawei Mate 10 Pro das beste Foto-Smartphone hinter dem Google Pixel 2.

Huawei Mate 10 Pro
Abgesehen von einigen verschwommenen Details, sieht der Bokeh-Effekt des Huawei Mate 10 Pro ordentlich aus. Image by Lars Rehm

Display: Knackige Farben und grosser Betrachtungswinkel

Das 6-Zoll AMOLED-FullView-Display in meinem Testgerät ist in Relation zu den Gerätedimensionen nicht nur angenehm groß. Außerdem kann es mit scharfem Bild, knackigen Farben und einem sehr weiten Betrachtungswinkel überzeugen. Auf dem Huawei Mate 10 Pro macht es Spaß, Fotos und Videos zu betrachten und zu bearbeiten. Zusätzlich wird der HDR-10-Standard unterstützt. Steht entsprechender Video-Content zur Verfügung, ist also auch der Kinofilm-Konsum ein Genuss.

Wie man es von einem Smartphone der neuesten Generation erwarten sollte, laufen Android 8.0 „Oreo“ und Huaweis EMUI 8.0 angenehm flüssig und schnell. Letztere macht zudem einen aufgeräumteren Eindruck als in vorherigen Huawei-Gerätegenerationen, was sich positiv auf die Bedienung auswirkt. Des Weiteren verspricht der große 4.000-mAh-Akku mit Schnellladefunktion und TÜV-zertifizierter Ladesicherheit eine lange Laufzeit.

Erster Eindruck: Solides Understatement

Mein erster Eindruck des Huawei Mate 10 Pro ist der eines High-End Smartphones, das eine rundum solide Performance, Austattung und Verarbeitung vorweisen kann. Allerdings, ohne dabei in einem Bereich besonders hervorzustechen oder die Konkurrenz zu attackieren. Demzufolge ist das Mate 10 Pro eine gute Wahl für diejenigen, die sich tagein und tagaus auf die Performance ihres Smartphones verlassen müssen, aber ohne die allerneusten Feature-Gimmicks auskommen können.

Ein weiterer Pluspunkt ist der relativ günstige Preis von 799 Euro, zu dem das Mate 10 Pro ab November ohne Vertrag verfügbar sein wird. Damit ist es ein gutes Stück günstiger als Konkurrenzmodelle mit vergleichbarer Ausstattung. Auf jeden Fall ist das Huawei Mate 10 Pro eine sehr interessante Alternative zu den Platzhirschen von Samsung und Apple.


Images by Lars Rehm


About Lars Rehm
Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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