ZenFone 4 im Test: Das F in Vier steht für Foto

Der taiwanische Hersteller Asus hat im vergangenen Monat in Rom die vierte Generation des ZenFones für Europa vorgestellt. Mit dem Erfolg der Platzhirsche wie Samsung und Huawei hat Asus auf dem hiesigen Kontinent bislang nicht mithalten können. Mit dem ZenFone 4 könnte es endlich auch hierzulande punkten. Ich sehe ich da gute Chancen. Warum das so ist, lest ihr in meinem Praxisbericht nach vier Wochen mit dem Asus ZenFone 4.

Die neue Familie der ZenFones besteht eigentlich aus fünf Geräten. Das etwas schwächer ausgestattete Zenfone 4 Selfie schafft es aber wohl nicht nach Europa. Dafür veröffentlicht Asus neben dem hier getesteten Gerät das ZenFone 4 Max für Akkufans, das ZenFone 4 Selfie Pro für Beautyqueens und das ZenFone 4 Pro für die, denen das Budget vollends egal ist. Übrigens solltet ihr beim ZenFone 4 ohne Namenszusatz nicht aus Versehen zum gleichnamigen Modell aus dem Jahre 2014 greifen. Danke für die Verwechslungsgefahr, Asus.

Design mit Ecken und Kanten

Mit dem Design des Smartphone-Gehäuses setzt Asus unverwechselbare Akzente. Die Rückseite präsentiert sich mit dem gewohnten Asus-eigenen Stil, der je nach Blickwinkel durch einen speziellen Schliff andere Muster zeigt. Dieser Effekt macht ganz schön was her! Dieser wird glücklicherweise auch nicht beeinträchtigt, wenn ich die beigelegte durchsichtige Kunststoffhülle montiere. Sie schadet der Optik nicht und schützt den Benutzer gleichzeitig vor der etwas scharfen Kante zwischen Rahmen und Rückseite. Die Frontseite ist von einem zeitgemäß schmalen Rahmen eingefasst. Am unteren Rand bleibt aber genug Platz für die kapazitiven Zurück- und Taskmanagerknöpfe. Nettes Detail: Die mehrfarbige Benachrichtigungs-LED ist im Lautsprecher des Hörers untergebracht.

Was mir am Design missfällt, möglicherweise aber auch schlicht Gewohnheit ist, ist der kapazitive Home-Button. Wie bei den neueren iPhone-Generationen wie etwa beim iPhone 8 Plus ist der also nicht drück-, sondern nur berührbar. Standardmäßig könnt ihr darüber den Bildschirm nicht aufwecken. Diese Funktion obliegt dann alleine dem Power-Button an der Seite. Erst wenn ihr euren Fingerabdruck speichert, könnt ihr mit dem Home-Button, der auch den Fingerabdrucksensor beherbergt, das Gerät wecken und entsperren. Diese Entsperrmethode funktioniert übrigens erwartungsgemäß zuverlässig und schnell.

Asus ZenFone 4 Test
Der changierende Effekt auf der Rückseite des Asus ZenFone 4 ist ein Hingucker. Image by Mika Baumeister

Doppelt gute Fotos dank Dual-Kamera?

Die Produktfamilie des Asus ZenFone 4 ist komplett auf Fotografie getrimmt. Das Launch-Event in einer fotogenen Stadt wie Rom lief daher nicht ohne Grund unter dem Namen „We Love Photo“. Während die verwandten Modelle „Zenfone 4 Selfie” oder „Selfie Pro“ mit einer besonders guten Frontkamera aufwarten, vereint das ZenFone 4 ohne Namenszusatz eine durchschnittliche Front- und eine überdurchschnittliche Hauptkamera.

Die Hauptkamera hat einen Sensor mit 12 Megapixeln Auflösung, eine f/1.8-Blende, 25 Millimeter Brennweite und bietet einen optischen Bildstabilisator. Ihr zweiter Sensor zählt 8 Megapixel und nimmt Fotos mit einer 12-Millimeter-Brennweite und dem ultraweiten Bildwinkel von 120 Grad auf. Bei schlechtem Licht unterstützt werden die beiden von einem Dual-Tone-Flash. Die beste Figur macht Hauptkamera natürlich bei Tageslicht.

Solange ihr im üblichen Seitenverhältnis von 4:3 bleibt und nicht den Ultraweitwinkel-Modus einschaltet, lassen sich die Fotos auch am Laptop ordentlich anschauen. In guten Lichtverhältnissen bietet das 25-Millimeter-Standardweitwinkel eine zum Teil beeindruckende Bildqualität. Hingegen beim Objektiv mit dem 120 Grad großen  Betrachtungswinkel könnt ihr zwar mehr von der Umgebung auf dem Bild festhalten. Doch die Qualität sinkt angesichts des niedriger aufgelösten Chips merklich. Auf dem Smartphone-Display sehen sie die Ultraweitwinkel-Bilder zwar immer noch respektabel aus, auf einem größeren Bildschirm lässt sich jedoch sofort das Bildrauschen erkennen.

Alternative zum Ultraweitwinkel-Modus

Asus ZenFone 4 Testfoto
Image by Jonathan Kemper

Wenn ihr noch mehr auf einem Foto erfassen wollt, bleibt wohl nur die Panorama-Aufnahme. Hier gibt es jedoch ein altbekanntes Problem: Unter starkem Einfluss von Sonnenlicht holt sich der Sensor die Helligkeitsinformationen beim ersten Foto. Beim anschließen Schwenk aktualisiert das ZenFone 4 diese aber nicht mehr, sodass die Bilder schnell zur Überbelichtung neigen. Mein Tipp: Einfach eine mittelhelle Stelle als Startpunkt des Panoramas nutzen.

Für Profis gibt es die Möglichkeit, an einigen Drehreglern der Kamera zu spielen, zum Beispiel den ISO-Wert, die Verschlusszeit, Lichttemperatur und Fokus. Wem das zu viel ist, lässt einfach die Finger vom „Pro“-Button. Positive Randnotiz: Die Kameras stehen nicht hervor, wie man es bei der Konkurrenz von Apple gewohnt ist. Damit liegt es auch ohne Hülle flach auf dem Tisch.

Hardware mit kleineren Hängern

Im Inneren des ZenFone 4 ist nicht der aktuelle Top-Chip Qualcomm Snapdragon 835 verbaut, wie er etwa in den Highend-Modellen LG V30 oder Nokia 8 zu finden ist. Dieser ist dem höhergerüsteten Modell ZenFone 4 Pro vorbehalten, was aber auch knapp doppelt so viel kostet. Der Mittelklasse-Chip Snapdragon 630 verrichtet seinen Dienst jedoch ähnlich gut und reicht für den Alltag vollkommen aus. Zudem verbraucht das ZenFone 4 auf diese Weise nicht so viel Strom wie der große Bruder. Und hardwarehungrige Spiele wie Asphalt 8 laufen trotzdem ruckelfrei.

Asus ZenFone 4
Das Asus ZenFone 4 ist auch trotz der mitgelieferten Hülle schön schmal. Image by Mika Baumeister

Dennoch gab es hin und wieder Hänger beim Betriebssystem, deren Ursache ich nicht nachvollziehen konnte. Einmal stürzte mir das komplette Gerät ab, während ich versuchte, die Bluetooth-Verbindung zu aktivieren. Insgesamt blieben solche Ausfälle während des Testzeitraums zwar die Ausnahme. Dennoch machen sie bei einem eigentlich so hochwertigen Smartphone wie dem Asus ZenFone 4 einen schlechten Eindruck. Am verfügbaren Arbeitsspeicher kann es eigentlich auch nicht liegen, denn hier vier Gigabyte RAM bewegt sich das Modell im oberen Mittelfeld.

Viel Speicher, Akku lädt schnell

Der Speicher fasst im Übrigen 64 Gigabyte und bietet daher genügend Platz für Daten, Musik, Fotos und Apps. Per microSD ist er erweiterbar, wofür noch nicht einmal einer der beiden SIM-Slots dran glauben muss. Diese Kombination ist tatsächlich eher selten. Asus hat gut mitgedacht und nicht am falschen Ende gespart.

Der Akku hat eine Kapazität von 3.300 mAh. Das ist okay, aber niachts Überwältigendes. Auch im Test reichte eine Ladung ohne Probleme über einen Tag, über Nacht oder abends für eineinhalb Stunden sollte das ZenFone 4 aber an den Strom. Der Energiespeicher ist dank Quick Charge 3.0 über USB-Typ-C flott wieder aufgetankt. Das für das Schnellladeverfahren passende Kabel samt Steckdosenadapter gehört zum Lieferumfang.

Asus ZenFone 4 Test
Die Oberfläche ZenUI von Asus wirkt zum Teil sehr bunt und verspielt. Image by Mika Baumeister

Verspielte Oberfläche ZenUI

Als Betriebssystem ist Android 7.0 Nougat vorinstalliert, darüber liegt die neue Oberfläche ZenUI 4.0. Mangels Erfahrungen mit älteren Versionen von ZenUI ist ein Vergleich schwierig, doch wirkt die Oberfläche modern, flott und schick animiert.

Die asiatische Herkunft wird anhand des aus unserer Sicht verspielt wirkenden Theme-Angebots deutlich. Der Theme Store bietet eine große Auswahl an kostenlosen und kostenpflichtigen Ersatz-Oberflächen, mit denen ihr die Erscheinung komplett ändern könnt. Aus westlicher Perspektive wirken die wenigsten Themes wirklich attraktiv.

Seid ihr also eher Fans der minimalistischen Oberfläche von Googles Standard-Android, ist das ZenFone 4 eher nichts für euch. Dann solltet ihr vielleicht eher zu Anbietern wie BQ oder Gigaset greifen. Bis jetzt lassen sich auch noch keine Custom-ROMs finden, die ein Vanilla-Aussehen ermöglichen.

Fazit: Asus ZenFone 4 hebt sich aus dem Einerlei ab

Das Asus ZenFone 4 ist ein gutes Smartphone, ohne Wenn und Aber. Zu einem Preis von 499 Euro im Hersteller-Shop bietet es ein gutes Ausstattungspaket. Im Vergleich zum Vorgänger ZenFone 3, setzt das aktuelle Modell noch stärker auf Foto-Features. Die Leistung der Dual-Kamera in Verbindung mit dem Profi-Modus bietet Foto-Enthusiasten tatsächlich viele Möglichkeiten.

Daher lässt sich auch darüber hinweg sehen, dass das ZenFone 4 keine Top-Features wie ein Snapdragon 835, ein WQHD-Display oder extrem lange Akkulaufzeit bietet. Allerdings ist die überbordene Asus-Oberfläche für westliche Geschmäcker gewöhnungsbedürftig. Wen das stört, der sollte einen alternativen Launcher installieren. Grundsätzlich eignet sich das Asus ZenFone 4 für alle, die aus der Masse herausstechen wollen. Denn die Betriebssystem-Oberfläche und das charakteristische Rückseiten-Design setzen sich vom Mainstream ab.

Asus ZenFone 4
Das ZenFone 4 bietet ein gutes Leistungspaket zu einem fairen Pries. Image by Mika Baumeister

Eine vergleichbare Alternative zum identischen Preis von 499 Euro ist das OnePlus 5. Es bietet sogar etwas stärkere Hardware als das ZenFone 4. Wegen der besonderen Vertriebsstrategie von OnePlus ist das Gerät aber nicht breit verfügbar wie das Asus-Modell.


Images by Mika Baumeister, Jonathan Kemper


About Jonathan Kemper
Jonathan Kemper studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.

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