Bluetooth-Speaker iRoar Go im Test: Gut gebrüllt, Löwe

Mit Musik geht alles besser! Damit man seine Lieblingsklänge jederzeit in ansprechendem Sound und ohne nervige Kabelage genießen kann, haben sich Bluetooth-Lautsprecher in den letzten Jahren eine feste Nische im Hifi-Markt erobert. Und nein, das sind nicht einfach handtaschengroße Blechbüchsen mit Scheppersound. Viele von ihnen können richtig was. Auch die Technikmarke Creative will mit ihrem iRoar Go mitmischen. Klanglich zumindest kann sich das Modell mit den Großen locker messen. Und sonst so? Das verrät euch der ausführliche Test.

Design: Eine Handtasche voller Sound

Der iRoar Go gehört mit seiner Größe von etwa 20 x 10 x 5 Zentimetern nicht gerade zu den Minis unter den portablen Lautsprechern. Er entspricht eher einer kleinen Damenhandtasche und hat mit etwa 800 Gramm wohl auch das Gewicht einer solchen. In die Jackentasche passt das Gerät also nicht. Der iRoar Go hat es aber in sich: Aus stabilem Alu in schickem Mattschwarz wirkt der iRoar Go edel genug, um als Mini-Ersatz für die Heimanlage im Regal zu stehen. Etwa drei Viertel des Gehäuses werden vom gelochten Lautsprecherblech eingenommen. Zwei schmale Gummischienen auf der Rückseite schützen den iRoar Go vor Kratzern und sorgen dafür, dass er nicht vom Balkon rutscht.

iRoar Go
Image by Anne Jerratsch

Der iRoar Go verfügt über zwei Reihen von Bedienknöpfen, die mit Power, Volumen und Gerätesuchfunktion aufwarten. Die Buttons für die Track-Auswahl, Shuffle, Pause, Aufnahme, Equalizer und die Roar-Taste für den Sound-Boost befinden sich auf der schmalen Oberseite. Creative verzichtet beim iRoar Go auf ein Display.

An der schmalen Seite finden sich auch die diversen Anschlussstellen, die man nur mit einiger Fummelei von ihrem Gummischutz befreien kann. Hinter den beiden Gummiklappen wurden der Stromanschluss (15 Volt) und der Aux-In-Eingang eingebaut. Bei den weiteren Anschlüssen schöpft Creative aus seinen Erfahrungen als MP3-Player-Hersteller: Ein Standard-USB-Anschluss sowie Mini-USB findet sich hier genauso wie ein Slot für eine Micro-SD-Karte.

iRoar Go
Image by Anne Jerratsch

Besonders auffällig sind außerdem die silbernen Bass-Treiber (Passivradiatoren) an den beiden Seiten. Sie geben dem iRoar Go ein futuristisches Aussehen und wirken durch ihre versilberten Flächen recht edel. Da der iRoar Go jedoch ohne stabile Transportbox daherkommt, habe ich etwas Sorge, die empfindlichen, freiliegenden Radiatoren an den Seiten kaputtzumachen. In meinem vollgestopften Rucksack würde ich den iRoar Go jedenfalls nicht ganz nach unten legen.

Hands-On: Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist

Nach dem Einschalten muss zunächst das Device gefunden werden. Die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone wird schnell und zuverlässig erkannt. Eine freundliche Stimme bestätigt die Verbindung auch noch einmal mit einem sachlichen „Connected“ und ich fühle mich ein wenig wie auf der Enterprise.

Das Abspielen der gewünschten Sounds im telefoneigenen Musikprogramm klappt hervorragend. Auch die Tasten am Speaker tun ihre Arbeit zuverlässig. Der Sound ist kraftvoll und – je nach bevorzugter Einstellung – angenehm basslastig, so dass die Passivradiatoren munter mitschwingen. Auf diese Weise wird das ganze Zimmer bei entsprechender Musikqualität ohne Krächzer oder Geschepper beschallt – so gefällt mir das!

Mitgedacht? Steckplätze und Partygimmicks

Wenn das Handy mal streikt, können besonders Musikhungrige ihre Lieblingssounds auch per SD-Karte oder mittels der handelsüblichen USB-Verbindung abspielen. Doch hier zeigt sich zum ersten Mal eine der größten Schwächen des iRoar Go: Das fehlende Display macht die Bedienung ohne Smartphone-Unterstützung doch recht unübersichtlich. Stattdessen muss sich der Nutzer wie in früheren MP3-Player-Zeiten durch die Ordner klicken, bis der gewünschte Song gefunden ist.

Auch an den Heimcomputer lässt sich der iRoar Go problemlos anschließen und den meist recht dürftigen Laptop-Sound aufbessern. Für Parties ein unverzichtbares Extra, das beinahe wieder das fehlende Display wettmacht. Hierfür ist lediglich ein USB-Kabel nötig.

Der iRoar Go konmmt mit noch mehr halbdurchdachten Spielereien daher, die ich der Vollständigkeit halber aufzähle. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, ein externes Mikrofon an den Lautsprecher anzuschließen. Da das mitgelieferte Kabel jedoch nur über eine kleine Klinkenverbindung verfügt, wird der Sound nur recht schwach ausgegeben. Deshalb lohnt sich dieses Gimmick allenfalls als kleiner Partyspaß. Für ernstgemeinte Übertragungsmöglichkeiten ist diese Funktion nicht zu empfehlen, zumal das handelsübliche Sprech-/Gesangsmikro ohnehin auf eine XLR-Verbindung angewiesen ist, über die der iRoar Go nicht verfügt.

iRoar Go zum Reinbrüllen

Ihr könnt den iRoar Go sogar selbst als Mikro zu nutzen, denn er bietet eine Aufnahmefunktion an. Dazu müsst ihr lediglich eine SD-Karte in den hierfür vorgesehenen Slot stecken und den Aufnahmeknopf oben am Gehäuse drücken. Als praktischer Ersatz für ein ordentliches Aufnahmegerät taugt diese Funktion jedoch auch nicht sonderlich. Denn wo genau man hinein singen oder -sprechen soll, ist nicht klar. Entsprechend schwammig klingt dann auch die Aufnahme.

Stellt sich die Frage, wozu diese Funktionen gut sein sollen. Aufnahmen, die ich mit meinem Handy mache, klingen besser und sind auch besser zu bedienen. Leider gibt es bei der Aufnahmefunktion auch nicht die Möglichkeit, meine Gesangskünste während des Abspielens eines Tracks zu speichern. Der iRoar Go taugt also nicht unbedingt als Karaoke-Maschine. Schade eigentlich!

Der iRoar Go macht hingegen als Telefonverstärker eine recht gute Figur. Die Sprachqualität ist sauber und gut verständlich. Für spontane Konferenzanrufe dürfte diese Funktion zumindest eine Bereicherung sein.

Lohnt der Griff zur App?

Der iRoar Go will mit Kabellosigkeit punkten, also bietet die Firma auch diverse Apps an. Ich finde beim spontanen Suchen in meinem Android-App-Store keine mit mehr als 3 von 5 Sternen – das spricht nicht gerade für die Benutzerfreundlichkeit.

Was ich bereits befürchtet hatte, bestätigt sich leider auch. Die Apps tun sich allesamt unnötig schwer mit der Verbindung zum Speaker oder mit dem Erkennen oder auch nur der Erstellung von Playlists. Ich habe ganze drei Apps getestet, bevor ich die Geduld verlor und mich wieder der normalen Bluetooth-Verbindung sowie dem geräteinternen Player zuwandte. Denn weder die App „Remote Assistant“ noch das „iRoar Dashboard“ oder der im Handbuch empfohlene „Sound Blaster Connect“ tun, was sie tun sollen.

Auch ist es nicht ersichtlich, wieso die Apps allesamt diverse Informationen wie Fotos, Kontakte und Wifi-Infos abschnorcheln müssen. Außerdem ist bei einer Anwendung in freier Natur nur selten ein Wifi-Netz vorhanden – was die eine oder andere App schonmal zum Streiken bringt, obwohl der Speaker damit nichts zu tun hat.

Kurz: Die Apps machen durch die Bank weg einen enttäuschenden Eindruck. Manche erkennen zwar sowohl Smartphone als auch Speaker, streiken dann aber, wenn es an die Song-Auswahl oder an die Playlist geht. Beim Sound Blaster Connect kann man trotz des angebotenen Menüpunktes keine gesonderten Sounds einstellen, sondern lediglich per App angeben, ob die Musik nun vom Kabel, der eingesteckten SD-Karte oder doch vom Handy kommen soll. Die Einstellungen kriege ich auch direkt am Gerät hin, und zwar schneller und zuverlässiger.

Akku und Auflademöglichkeiten

Der iRoar Go wird vom Hersteller als kleines Kraftpaket vermarktet. Die Akkulaufzeit selbst ist jedoch leider nur durchschnittlich – laut Hersteller soll der 5.200 mAh starke Akku bis zu zwölf Stunden Soundspaß bringen. Aber bei mir war bereits nach gut sechs Stunden Dauerbetrieb Schluss. Da kann man nur hoffen, dass die Party, auf der man den DJ spielen darf, über eine Steckdose verfügt, an die der iRoar Go mit dem 12V-Kabel gesteckt werden kann. Ein Aufladen per USB-Port ist leider nicht möglich.

Wer mag, kann den Speaker allerdings auch als Energiequelle fürs Handy zweckentfremden – wie lange der Akku dann allerdings durchhält, ist mangels Display leider nur zu erahnen. Klar ist nur das Powerbank-Prinzip: Wenn das rote Licht angeht, sollte baldmöglichst nachgetankt werden.

Fazit: Eine echt nettes Paket mit kleinen Fehlern

Mit dem Bluetooth-Speaker iRoar Go ist Creative ein guter Coup gelungen – zumindest, solange man auf die dazugehörigen Apps verzichtet. Der Speaker ist zwar nicht so handlich und klein wie so manches Modell der Konkurrenz. Den Größen- und Gewichtsnachteil macht er jedoch mit einem wirklich fantastischen Sounderlebnis wieder wett.

Die solide Verarbeitung und das durchdachte Design bei den unterschiedlichen Verbindungsmöglichkeiten dürften Puristen und Spielkindern gleichermaßen Freude bereiten. Ohne stabile Transportbox und mit nur mittelmäßiger Akkulaufzeit ist der iRoar Go jedoch eher nicht für den Wochenend-Ausflug geeignet, sondern bleibt lieber auf dem Balkon und in der Nähe einer Steckdose. Der Lautsprecher  kostet derzeit etwa 160 Euro, eine Tragetasche kann auf Wunsch für knapp 60 bis 80 Euro erworben werden.


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About Anne Jerratsch
ist freischaffende Autorin und Redakteurin bei den Netzpiloten und den Hello-Magazinen. Sie hat zeitgenössische und mittelalterliche Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik studiert und arbeitet, seit das erste Modem ins Elternhaus einzog, an irgendwas mit Medien. Sie bloggt und twittert als @keksmadam, mag und macht Podcasts und wirkt bei der nichtkommerziellen Hörspielvereinigung Die Neuvertonung mit.

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