Samsung Gear Fit 2 Pro im Test: Unauffällig schick und stark

Fitnesstracker gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Jeder Hersteller gab sich bereits die Ehre, in dem überfluteten Markt ein eigenes Produkt zu positionieren. Der Hype ist inzwischen etwas abgeschwächt und es kristallisiert sich heraus, welche Firma in Zukunft mitmischt. Mit dem Modell Gear Fit 2 Pro hat Samsung auf dem Markt gute Chancen – wenn man mit den Schwachstellen umgehen kann. Wo der Tracker punkten kann, kläre ich im Test.

Leuchtstarkes Display gefällt und nervt zugleich

Samsungs Gear Fit 2 Pro ist keine ausgewachsene Smartwatch wie die Samsung Gear S3. Stattdessen ordnet sich das Modell in der hochwertigen Klasse der Fitnesstracker ein. Die Uhr wartet mit einem 1,5 Zoll großen gebogenen AMOLED-Bildschirm auf, der mit einer Pixeldichte von 322 Pixeln pro Zoll überzeugen kann. Im Alltagsgebrauch sind keine einzelnen Bildpunkte erkennbar.

Das Display lässt sich in zehn Helligkeitsstufen regeln, ein elftes Level wird als Outdoor-Modus beschrieben und erhöht die Sichtbarkeit des Bildschirmes noch einmal. Im Alltag ist eine Helligkeit von 7 völlig ausreichend. Das Ablesen im Sonnenlicht gestaltet sich dann allerdings schwierig. In dunklen Umgebungen reicht derweil die dritte Stufe völlig aus.

Hier komme ich direkt zum ersten Kritikpunkt: Das Display passt die Helligkeit nicht automatisch an. Das wäre ein ausgesprochen gutes Komfort-Feature, welches von den Ingenieuren Samsungs durch einen kleinen Sensor einfach gelöst wäre. Jetzt werde ich nachts vom Display geblendet, während die Sonne das Display je nach Ausrichtung unlesbar macht.

Zuverlässiges und genaues Fitnesstracking

Aber ich will mich nicht am Display aufhalten. Immerhin geht es um die Innereien und nicht nur die Präsentation. In Bezug auf die Tracking-Sensorik kann die Samsung Gear Fit 2 Pro punkten. In der Uhr selbst finden sich zahlreiche Sensoren, die deine Bewegungen verfolgen. Neben einem Lagesensor, der Schritte zählt, gibt es ein Barometer für das Zählen von erklommenen Etagen. Das GPS ist für eine genauere Positionierung und besseres Schrittzählen zuständig. Zudem kann das Modell Gear Fit 2 Pro mithilfe des GPS auch erkennen, ob du läufst oder einfach die Bahn nimmst. Ein Pulsmesser misst – wie könnte es anders sein – deinen Puls.

Samsung Gear Fit 2 Pro Puls
Ein Puls-Sensor ist bei Samsungs Gear Fit 2 Pro natürlich auch an Bord. Image by Mika Baumeister

Sobald du einen Spaziergang anfängst, zählt Samsungs Gear Fit 2 Pro mit. Je nach Einstellungen feuert dich die Uhr an, um weitere Schritte zurückzulegen. Nach deinem „Workout“ gibt es ein kurzes Feedback. Dabei werden die Anzahl der zurückgelegten Schritte, die Geschwindigkeit im Verlauf der Aktivität, die Herzfrequenz sowie verbrauchte Kalorien grafisch hübsch aufbereitet dargestellt.

Wassermodus fürs Schwimmbad

Als eine der wenigen Fitnessuhren unterstützt das Modell Gear Fit 2 Pro das Zählen von geschwommenen Metern. Dafür tat sich Samsung mit Speedo zusammen, um die App zu optimieren. Vor Beginn musst du angeben, wie lang das Becken ist, in dem du schwimmen wirst. Samsungs Gear Fit 2 Pro ist bis zu fünf Bar wasserdicht, das entspricht einer Wassertiefe von bis zu 40 Metern. Gegen salziges Meerwasser ist sie zwar nicht abgedichtet. Aber ein normaler Schwimmbadbesuch macht der Uhr nichts aus.

Im Test offenbart sich die Uhr als guter, aber nicht perfekter Begleiter: Bei einer längeren Trainingseinheit lag die Genauigkeit relativ hoch. Viele Stilwechsel hintereinander resultierten jedoch in Verwirrungen und Verzählungen von bis zu 50 Metern bei 400 Metern Strecke.

Samsung Gear Fit 2 Pro Schwimmen
Das P in Gear Fit 2 Pro steht für Planschen gehen. Image by Mika Baumeister

Die Bedienung der Uhr funktioniert denkbar einfach: auf der rechten Seite des Displays sind zwei Knöpfe angebracht. Der obere bringt dich – ähnlich wie beim Back-Button bei Android – in das vorherige Menü zurück. Der andere agiert als Home-Knopf und öffnet des Weiteren das App-Menü, in dem du alle installierten Anwendungen sehen kannst.

Samsung tanzt mit Tizen aus der Reihe

Apropos Anwendungen: Hier kann Samsungs Gear Fit 2 Pro nicht völlig überzeugen. Statt auf Android Wear für Smartwatches zu setzen, nutzt Samsung die Eigenentwicklung Tizen. Das hat Vor- und Nachteile.

Von der Performance her ist die Verwendung von Tizen keine schlechte Entscheidung. Die Uhr läuft immer sehr flüssig, Scrolls werden mit 60 Bildern pro Sekunde dargestellt. Negativ fällt aber die Anzahl der installierbaren Anwendungen auf. Apps wie Deutsche Bahn, Taschenrechner oder Shazam fallen flach. Digitale Ziffernblätter von Drittanbietern gibt es ebenfalls nicht. Außerdem sind andere Schrittzähler-Apps tabu, nur die herstellereigene Fitness-Apps Samsung Health funktioniert mit dem Gadget.

Einerseits macht dieses geschlossene System die Bedienung von Samsungs Gear Fit 2 Pro einfacher, andererseits fehlt das kleine Quäntchen Selbstbestimmung, das viele an Android schätzen. Freunde von Sprachbedienung werden beispielsweise den Befehl „Ok, Google“ vergessen müssen.

Samsung Gear Fit 2 Pro
Die App-Auswahl ist beschränkt, aber Klassiker wie Workout-Trainer und Schrittzähler sind natürlich verfügbar. Images by Mika Baumeister

Insgesamt ist das App-Portfolio von Samsungs aktuellstem Fitnesstracker aber respektabel. Neben den Must-Haves wie Schrittzähler und Pulsmesser kannst du auch die getrunkenen Gläser Wasser oder Kaffee mitzählen. Sogar ein klein wenig Gamification wurde eingebaut. Beispielsweise kannst du deine Schritte mit anderen Nutzern von Samsung Health aus dem Freundeskreis abgleichen.

Übrigens lässt sich in den Privatsphäre-Einstellungen der Gear-Fit-App festlegen, wer deine Leistungen sehen darf. Also keine Angst vor der ungewollten Weitergabe der eigenen Fitness-Daten!

Verbindung mit dem Smartphone: Eine Sportart für sich

Über die im Play Store erhältliche App Samsung Gear kannst du Samsungs Gear Fit 2 Pro grundsätzlich auch mit Smartphones verbinden, die nicht von Samsung stammen. Abhängig vom Modell kann das aber hakelig sein. So wollte sich das Fitnessarmband partout nicht mit meinem Daily Driver, dem Xiaomi Mi 5, verbinden. Zwar konnten sich die Geräte pairen. Aber im Anmeldescreen blieb der Installationsprozess immer bei 100 Prozent stehen, ohne dass er wirklich zu einem Abschluss kam. Hingegen mit einem Sony Xperia XA1 klappte die Bluetooth-Verbindung glücklicherweise reibungslos.

Umständlich ist, dass du mit der Gear- und der Samsung-Health-App zwingend zwei Apps installieren musst, um die Gear Fit 2 Pro vollständig nutzen zu können. In der Gear-Anwendung stellst du lediglich das Verhalten der Uhr ein, etwa die Häufigkeit des Pulsmessens und die Benachrichtigungen, die das Smarrtphone an den Fitnesstracker pushen soll. Wiederum die Samsung-Healh-App zeigt nur die Fitnessinformationen an. Zusätzlicher Nerv-Faktor: Samsung Health funktioniert nur, wenn eine SIM-Karte eingesetzt ist. Warum auch immer.

Sinnvoller wäre es in meinen Augen, beide Anwendungen zu verschmelzen. Dann entstünde ein geringerer Installationsaufwand sowie weniger Verwirrung, welche App jetzt für was benötigt wird. Zudem könntest du die Rechte-Freigabe für Samsung stärker einschränken. Wenn die Verbindung mit allen Anwendungen aber endlich steht, läuft die Synchronisation problemlos und in Echtzeit ab. Die Bedienung der Uhr macht Spaß und trotz der Auftrennung in zwei Applikationen ist die Smartphone-Steuerung völlig in Ordnung.

Ohne Smartphone unterwegs? Kein Problem

Wer Joggen geht, braucht sein Smartphone in Zukunft übrigens nicht mehr mitzuschleppen. Samsungs Gear Fit 2 Pro läuft komplett autark, ist also nicht auf ein unterstützendes Telefon angewiesen. Dank GPS-Sensor weißt du in der späteren Auswertung trotzdem jederzeit, wo genau die Route entlangführte und wie schnell du welche Abschnitte bewältigt hast.

Zusätzlich hat Samsungs Gear Fit 2 Pro einen vier Gigabyte großen internen Speicher, auf dem du Musik lokal zwischenspeichern kannst. Solltest du ein Bluetooth-Headset besitzen, ist das Abspielen per Fitnesswatch also kein Problem. Einen besonderen Deal ging Samsung mit Spotify ein: Playlisten sind auf die Uhr importierbar, sodass der Online-Zwang entfällt und die Musik offline zur Verfügung steht.

Akku mit kurzem Atem

Ich selbst trage im Alltag eher ein Understatement als Uhr: Das Xiaomi Mi Band 2. Das kleine Gadget fällt kaum auf und bietet auch bei weitem nicht so viele Funktionen wie die Gear Fit 2 Pro oder vergleichbare Fitnessuhren. Dennoch bin ich wegen einer Sache richtig in das Mi Band verschossen: Die Akkulaufzeit ist einfach bombastisch. Einen Monat nicht an die Steckdose oder Ladestation zu müssen, ist für mich ein Killerfeature. Bei der Gear Fit 2 Pro ist das etwas komplizierter.

Wählst du die Standardeinstellungen der Uhr aus, beläuft sich die Laufzeit auf etwa einen Tag. Mit einem etwas restriktiveren Akku-Management – wie es bei mir derzeit der Fall ist – schafft die Uhr fast drei Tage. Die angegebenen fünf Tage Laufzeit erreichst du nur ohne Pulsmessung und GPS-Feature. Das ist ein wenig schade, denn immerhin kann das Modell Gear Fit 2 Pro auch den Schlaf ziemlich genau tracken. Ein größerer Energiespeicher oder ein sparsamerer Chipsatz wäre also für Version 3 der Uhr von Vorteil.

Test-Fazit Samsung Gear Fit 2 Pro

Insgesamt kann ich der Samsung Gear Fit 2 Pro für Sport-Enthusiasten eine fast vorbehaltslose Empfehlung aussprechen. Der Fitnesstracker funktioniert super, hat alle gängigen Features an Bord, ist sehr bequem und bleibt optisch angenehm unauffällig. Ich hatte das Gerät rund zwei Wochen am Arm und durch das schlichte Aussehen kamen keine Kommentare, wie extravagant das Modell Gear Fit 2 Pro denn sei.

Samsung Gear Fit 2 Pro
Samsungs Gear Fit 2 Pro ist deutlich eleganter als andere Sportuhren. Image by Mika Baumeister

Zu einem Preis von 229 Euro ist das Modell Gear Fit 2 Pro kein Schnäppchen. Im Vergleich zu Trackern von Garmin oder Fitbit ist es aber sehr konkurrenzfähig. Das gebogene Display macht einiges her und die Bedienung ist einfacher als die teils verwirrenden Menüstrukturen einer Garmin-Uhr. Für den täglichen Gebrauch rund um die Uhr ist das Samsung-Modell aber nur empfehlenswert, wenn du bereit bist, es einmal täglich zu laden. Als Sport-Uhr kann die Gear Fit 2 Pro aber umso mehr glänzen.

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Images by Mika Baumeister


About Mika Baumeister
Mika studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.

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