HTC U11 life im Hands-On: Schickes Mittelklasse-Phone mit Android One schlägt HTC 10

Das mobile Google-Betriebssystem Android hat ein Problem: Es ist sperrig und aufgrund der Gerätevielfalt alles andere als leicht mit Updates zu versorgen. Genau deshalb hat der Software-Experte mit Android One ein Programm für schwachbrünstige Hardware gestartet. Das erste hierzulande verfügbare Gerät kommt vom neuen Kooperationspartner HTC. Das HTC U11 life soll mit der neuen Premium-Design der Top-Geräte HTC U11 und HTC U11+ daherkommen und gleichzeitig ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Funktioniert das? Ich konnte mir das neue Mittelklasse-Gerät bereits aus der Nähe anschauen.

Glänzendes Gehäuse aus Acrylglas

Bereits äußerlich macht sich die Verwandtschaft zum Flaggschiff HTC U11 bemerkbar. Das Gehäuse besteht aus spiegelnden Glas, das wohl vor allem aus Kostengründen aus Acryl-Kunststoff besteht. Es bietet zwar eine höhere Bruchsicherheit als Corning Gorilla Glass, ist allerdings anfälliger für Kratzer. Das zeigte sich an der Rückseite der verfügbaren Testgeräte bereits deutlich. Das HTC U11 life ist wie auch der große Bruder nach IP67 zertifiziert und somit staub- und wasserdicht. Mit Maßen von 149 x 73 x 8 Millimeter und einer Masse von 142 Gramm ist es erfreulich kompakt und liegt fantastisch in der Hand.

Die Frontseite ziert ein 5,2 Zoll großes SLCD-Display. Es erinnert deshalb in Form und Gestalt an das letztjährige Flaggschiff HTC 10. Zumindest auf dem ersten Blick, denn beim genauen Hinsehen wird deutlich, dass der Hersteller an der Auflösung spart. Das Panel löst mit „nur“ FullHD auf, weiß allerdings durch eine vollkommen ausreichende Pixeldichte von 423 ppi zu überzeugen. Besonders überrascht hat mich die maximale Helligkeit des Displays vom HTC U11 life. Auch im Außenbereich überzeugte die Leuchtkraft und war der des HTC 10 deutlich überlegen.

Neuer Mittelklasse-Prozessor soll Vorjahres-Chipsatz des HTC 10 übertrumpfen

Unter der Haube kommt der neue Qualcomm-Prozessor Snapdragon 630 zum Einsatz. Seine acht Kerne takten mit bis zu 2.2 GHz. In Sachen Performance soll er dem High-Chipsatz 820 aus dem Jahr 2016 in Nichts nachstehen – im Gegenteil. Doch dies konnte ich noch nicht prüfen. Mehr dazu im ausführlichen Test.

Die im Handel verfügbare Standardausführung des HTC U11 life ist mit 3 GB Arbeitsspeicher und 32 GB internen Speicher ausgestattet. Eine exklusiv auf htc.com vertriebene Version soll mit 4 GB RAM und 64 GB internem Speicher daherkommen. Beide Modelle besitzen für die Speichererweiterung bis 2TB einen microSDXC-Kartenslot.

Die Rückseite des HTC U11 life besteht aus Acryl-Glas. Image by Jonas Haller

Für die Stromversorgung des Mittelklasse-Geräts zeigt sich ein Modul mit 2.600 mAh verantwortlich. Aufgrund der Ressourceneffizienz des neuen Prozessors und des abgespeckten Betriebssystems sollte das im Alltag vollkommen ausreichen. Im Vergleich zum HTC 10 heißt das im Klartext: 2 Stunden längeres Videoschauen, 20 Stunden mehr Musikhören oder 2 Stunden längeres Webbrowsen. Das Laden geschieht per USB-C Anschluss und Quick Charge 3.0. Dadurch dürfte der Energiespender in etwas mehr als einer Stunde vollständig geladen sein.

Kamera ohne Ultrapixel, aber mit höherer Auflösung

Selbstverständlich verzichtet HTC beim neuen Preis-Leistungs-Schlager auf die hochwertige Ultrapixel-Kamera. Sie ist den Top-Modellen des Herstellers vorbehalten. Stattdessen kommt ein 16 Megapixel auflösendes Modul mit einer f/2.0 Blende zum Einsatz. Der LED-Blitz besitzt lediglich eine LED. Foto-Experten finden im Pro-Modus umfangreiche Kontrollfunktionen über Belichtung, Weißabgleich und Co. Videos zeichnet die Kamera in 4K-Auflösung auf.

Die Kamera des U11 life lieferte beim ersten Test gute Ergebnisse. Image by Jonas Haller

Das Kameramodul auf der Frontseite liefert eine Auflösung von ebenfalls 16 Megapixel und eine Blende von f/2.0. Videos landen in FullHD auf dem Festspeicher. Neben Live Make-Up kann die Kamera-Software auch Voice Selfie oder Selfie Panorama. Für beide Module spendiert HTC zudem den HDR-Boost-Mode, bei dem mehrere Fotos nacheinander geschossen und die besten Segmente miteinander verrechnet werden.

Neben der Ultrapixel-Kamera müssen Interessenten auch auf die kraftvollen BoomSound-Lautsprecher verzichten. Auf der Unterseite des Gerätes befindet sich lediglich ein Mono-Speaker. Auch das Apple-Protokoll zur Wiedergabe auf WLAN-Lautsprechern AirPlay wird nicht unterstützt. Dafür legt HTC die hochwertigen USonic In-Ear-Headphones mit Active Noise Cancellation bei, die Hi-Res-Audio bieten. Besitzer von Bluetooth-Kopfhörern dürften sich über Bluetooth 5.0 freuen.

Abgespecktes Android One bietet alles was das Smartphone-Herz begehrt

Wie bereits erwähnt kommt auf dem HTC U11 life die Light-Variante des Android-Betriebssystems Android One zum Einsatz. Das Wort „Light-Variante“ klingt dabei etwas negativ, denn in ihrem Funktionsumfang steht die Distribution dem vollwertigen Android in Nichts nach. Angenehm entschlackt kommt das U11 life nur mit den wichtigsten Apps daher. Auch die HTC-Nutzeroberfläche Sense fehlt, stattdessen läuft der Google-Launcher auf dem Mobiltelefon.

Im App-Drawer finden sich lediglich 24 Einträge. Image by Jonas Haller

Damit will der Software-Hersteller sein Versprechen über zwei Jahre Systemupdates und drei Jahre Sicherheitsupdates garantieren. Allerdings muss nicht auf die cleveren Features vom HTC U11 verzichtet werden. Edge Sense mit der innovativen Squeeze-Funktion ist ebenso an Bord wie der HTC-eigene Assistent Companion. Selbstverständlich ist auch Google Assistant vorinstalliert. Im ersten Test machte das Zusammenspiel aus Hard- und Software eine sehr gute Figur. Mehr Betriebssystem braucht kein Mensch.

Erstes Fazit: HTC U11 life ist gelungener Wiedereinstieg in die Smartphone-Mittelklasse

Wer in diesem Jahr ein HTC-Smartphone der Mittelklasse ordern wollte, musste auf das U Play zurückgreifen. Nachdem die Modellreihe Desire sang- und klanglos in der Versenkung verschwand, bot der taiwanische Hersteller nur noch wenige Geräte im unteren Preissegment an. Mit dem HTC U11 life kommt nun das langersehnte Telefon für Menschen, die eben nicht 700 Euro ausgeben wollen. Besonders beeindruckend ist dabei, dass HTC beim Neuankömmling die neue Premium-DNA beibehält und ein hochwertiges Gerät auf die Beine stellt. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 349 Euro ist das HTC U11 life ein interessantes Gesamtpaket. Für faire 30 Euro mehr erhält man über den HTC-Onlineshop die große Speichervariante.

Zum Marktstart ist das HTC U11 life in blau und schwarz verfügbar. Image by Jonas Haller

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About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.