OnePlus 6T im Test: High-End-Android für jedermann

Der Smartphone-Markt bleibt hart umkämpft. Eines der wachsenden Unternehmen ist der chinesische Hersteller OnePlus. In traditioneller Art und Weise hat der Smartphone-Hersteller in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit dem OnePlus 6T die aufgebohrte Version des Frühjahrs-Flaggschiffes OnePlus 6 vorgestellt. Es zeichnet sich etwa durch ein größeres Display sowie einem darunter befindlichen Fingerabdrucksensor aus. Zudem gibt es eine kaum erwähnenswerte Notch und eine neue Gestensteuerung. Der erste äußere Eindruck war gut. Doch wie schlägt sich das Gerät in der Praxis? Nach einem längeren Test habe ich nun herausgefunden, wie sich die inneren Neuerungen im Alltag bemerkbar machen.

Das lange Schlanke für große Taschen

Äußerlich geht das OnePlus 6T mit dem Trend der Zeit, weil es im Vergleich zum Original ein größeres Display, schmalere Ränder und eine gläserne Rückseite bietet. Letztere wirkt in der vorliegenden matten Variante sehr hochwertig. Mit Abmaßen von 15,8 x 7,5 Zentimetern und einer Dicke von 8 Millimetern ist das OnePlus 6T ein echter Smartphone-Brocken. Hinzu kommt die Masse von 185 Gramm. Für meinen persönlichen Geschmack etwas zu viel für den alltäglichen Gebrauch und dem Transport in der Hosentasche.

Bei den Bedienelementen ringsum um das Gehäuse finden sich OnePlus-Nutzer schnell zurecht: Auf der linken Seite befinden sich SIM-Karten-Slot sowie die Lautstärkewippe, die einen sehr guten Druckpunkt vermittelt. Unten sind USB-C-Anschluss und Lautsprecher verbaut. Auf einen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss verzichtet OnePlus erstmals. In dieser Hinsicht folgt der Hersteller dem Trend der Zeit. Immerhin wird ein entsprechender Adapter beigelegt. Rechts befinden sich Powerbutton und der sogenannte Alert Slider. Letzterer ermöglicht das schnelle mechanische Umschalten der Benachrichtigungen.

OnePlus 6T matte Rückseite
Die matte Rückseite des OnePlus 6T besteht aus Glas. Image by Jonas Haller

Scharfes, leuchtstarkes Display mit kompakter Notch

Beim Blick auf die Vorderseite des OnePlus 6T fällt sofort das neue AMOLED-Display ins Auge. Es bietet eine Diagonale von 6,4 Zoll und ein ungewöhnliches Displayverhältnis von 19.5:9. Die Auflösung ist mit 2.340 x 1.080 Pixeln und einer Pixeldichte von 402 ppi hoch. Das sorgt für eine scharfe Darstellung. Einzelne Bildpunkte sind selbst aus der Nähe nicht sichtbar. Die größte Stärke ist allerdings die Farbintensität. Es wird sowohl der sRGB- als auch DCI-P3-Farbraum unterstützt.

Ähnlich wie Huawei, Samsung oder Apple setzt OnePlus auf ein Display, das nahezu die komplette Front einnimmt. Auf der Oberseite findet sich lediglich für die Frontkamera eine kleine Einkerbung, die sogenannte Notch. Mit ihrer Tropfenform fügt sie sich angenehm in das Design des High-End-Gerätes ein.

OnePlus 6T Dewdrop-Notch
Für Ästheten ist die tropfenförmige Notch eine Augenweide. Image by Jonas Haller

Performance bis zum Abwinken

Unter der Haube gibt es im Vergleich zum Vorgänger OnePlus 6 wenig Neues. Für ordentlich Rechenpower sorgen im OnePlus 6T die acht Rechenkerne des Snapdragon-845-Prozessors von Qualcomm. Je nach Modellvariante stehen ihm 6 oder 8 GB Arbeitsspeicher zur Seite . Die später erschienene McLaren-Edition bietet sogar spektakuläre 10 GB.

In der getesteten Variante mit 8 GB erreichte das OnePlus 6T im AnTuTu-Benchmark 296.000 Punkte, im Geekbench MultiCore-Test 8950 Punkte. Damit gehört es zur aktuellen Android-Speerspitze. Apps und Daten lassen sich auf dem 128 bzw. 256 GB fassenden internen Speicher ablegen. Dank UFS-2.1 Standard ist die Lese- und Schreibgeschwindigkeit sehr hoch. Sagenhafte 712 MB/s beim Lesen und 218 MB/s beim Schreiben werden erreicht. Langsam war aber auch das OnePlus 6 im Test nicht.

Solide Kamera mit Zoomfunktion

Die Kamera-Ausstattung hat OnePlus im Wesentlichen beibehalten. Schließlich sind im Vergleich zum Vorgänger im OnePlus 6T die gleichen Bildsensoren verbaut. Sie liefern dementsprechend in beiden Geräten solide Ergebnisse. Auf der Rückseite kommt eine Dual-Kamera mit zwei Weitwinkel-Objektiven zum Einsatz. Dabei löst das Hauptmodul mit f/1.7-Blende mit 16 Megapixel auf, das zweifach Nebenmodul mit 20 Megapixel. Letzteres nutzt das Plus an Pixeln für einen Zweifach-Digitalzoom. Zwar ist die Bildqualität des OnePlus 6T mehr als solide, kommt allerdings nicht an die Konkurrenz von Huawei oder Google heran. Das gilt ferner auch für den neuen Nachtmodus, mit dem dank Langzeitbelichtung farbdynamische Aufnahmen entstehen.

Auf der Frontseite fotografiert ein 16 Megapixel auflösendes Kameramodul mit f/2.0 Blende. Dessen Bildqualität geht für den Otto Normalnutzer in Ordnung. Allerdings fiel im Test eine starke Weichzeichnung auf.

Optischer Fingerabdrucksensor im Display mit Schwächen

OnePlus ist einer der ersten Hersteller, der einen Fingerabdrucksensor im Display verbaut. Dabei handelt es sich um einen CMOS-Bildsensor, der optisch die Aufnahme mit dem hinterlegten Muster abgleicht. Das funktionierte im Test ordentlich, allerdings nicht ganz so schnell wie bei herkömmlichen Fingerabdrucksensoren. OnePlus selbst verspricht, dass das Modul im Laufe der Zeit dazulernt und sich die Performance verbessert.

OnePlus 6T In-Display-Fingerabdrucksensor
Erstmals befindet sich der Fingerabdrucksensor unter dem Display. Image by Jonas Haller

Die zweite Möglichkeit der Entsperrung ist ein Gesichtsscan mit der Frontkamera. Dafür muss das eigene Gesicht aus verschiedenen Perspektiven abgelichtet und hinterlegt werden. Anschließend vergleicht die Software die Bilder und gibt das Gerät frei. Das Verfahren im OnePlus 6T ist allerdings bei Weitem nicht so sicher wie bei Apples Face ID, bei dem ein 3D-Scan des Gesichts durchgeführt wird. Wer beiden Methoden nicht vertrauen mag, kann auch auf Pin oder Muster zurückgreifen.

Oxygen OS wirkt wie Stock-Android

OnePlus ist dafür bekannt, keine eigene Nutzeroberfläche, sondern direkt ein eigenes Betriebssystem auf den Geräten vorzuinstallieren. Deshalb kommt auch auf dem OnePlus 6T das Oxygen OS in Version 9.0 zum Einsatz. Es zeichnet sich durch ein besonderes reines Design und wenig Software-Ballast aus, weil sich der Nutzer sein System selbst von Grund auf zusammenstellen können soll. Lediglich Google-Apps sind vorinstalliert.

Neu ist die Gestensteuerung, denn optional können die Steuerungsbuttons ausgeblendet werden. Im ersten Moment ist das zwar ein wenig ungewohnt, aber schnell wischt man sich zwischen Menüs und Startseite umher. Ein weiterer Pluspunkt des Systems: OnePlus liefert zeitnah OS-Updates aus. Insbesondere die wichtigen Sicherheitspatches landen deshalb schnell auf den Geräten.

OnePlus 6T Gestensteuerung
Wer die Gestensteuerung aktivert, findet auf dem Homescreen keine Navigationsbuttons. Image by Jonas Haller

Apropos “schnell auf den Geräten landen”. Das macht auch der Strom auf dem üppig dimensionierten 3.700 mAh starken Akku. Denn dank Dash-Charge und einem Ladestrom von 4A ist der Energiespender in etwas mehr als einer Stunde wieder vollständig aufgeladen. Im alltäglichen Gebrauch kommt man daher mit dem OnePlus 6T selbst bei aktiver Nutzung gut über die Runden. Deshalb stellt ein normaler Arbeitstag keine Probleme dar. Im Test waren sogar bis zu zwei Tage ohne Steckdose möglich. Dann sollte man allerdings auf ressourcenfressende Spiele und Videostreaming verzichten.

Fazit OnePlus 6T: Preiswert am Puls der Zeit

Das aktuelle Smartphone-Modell von OnePlus gefällt. Vor allem das große Display mit schicker Notch, der im Display integrierte Fingerabdrucksensor sowie die Gestensteuerung fallen ins Auge. Das OnePlus 6T überzeugt außerdem mit starker Technik zum schmalen Preis – auch wenn der Abstand zu den Mitbewerbern in Sachen Anschaffungskosten immer kleiner wird. Wer ein nahezu tabletartiges Android-Smartphone mit High-End-Performance sein Eigen nennen will und dabei auf ein teures Gerät der Mainstream-Marken verzichten mag, kann bedenkenlos zugreifen.

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Images by Jonas Haller

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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