Nokia 7.1 im Test: Smartphone mit HDR-Kino für unter 300 Euro

Für ein gutes Smartphone braucht ihr immer öfter nicht einmal mehr 300 Euro auszugeben. Das Nokia 7.1 bietet zum „Straßenpreis“ von derzeit rund 230 Euro einige Features, die sonst deutlich teureren Geräten vorbehalten sind. Dazu zählen ein Display, das die Wiedergabe von HDR-Videos unterstützt sowie Kameraobjektive mit Zeiss-Linsen. Was das bringt, habe ich ausprobiert. Hier meine Erfahrungen zum Nokia 7.1 im Test.

Design: Schlankes Format mit Notch

Das Design des Nokia 7.1 erinnert nur wenig an seinen Vorgänger Nokia 7 Plus. Das neue Smartphone ist ein gutes Stück länglicher und kompakter. Dadurch liegt es deutlich besser in der Hand. Um dies zu erreichen, hat Nokia-Markeninhaber HMD Global das Display von 6 auf 5,8 Zoll verkleinert und das Seitenverhältnis auf 19:9 gestreckt. Das Display bedeckt fast die gesamte Front. Oben bleibt lediglich eine Kerbe (Notch) für die Frontkamera übrig, unten ein schmales „Kinn“.

Weitere optische Unterschiede zum Nokia 7 Plus: Der aus Aluminium gefräste Rahmen fällt deutlich eckiger aus und die schicken kupferfarbenen Elemente an der Kamera und im Rahmen des Vorgängers sucht man vergeblich. Farblich hält Nokia das 7.1-Modell entweder in schlichtem Blau-Silber oder Grau-Gold – ihr habt die Wahl. Mir lag ein blau-silbernes Exemplar vor. Insgesamt mach das Nokia 7.1 im Test einen sehr gut verarbeiteten und hochwertigen Eindruck.

Display: Kino-Feeling hoch 10 mit HDR 10

Der Bildschirm des Nokia 7.1 basiert auf einem hellen LCD-Panel und löst mit 2.280 x 1.080 Pixeln sehr hoch auf. Für diese Preisklasse ungewöhnlich, unterstützt das Nokia 7.1 Videomaterial, das im Format HDR 10 vorliegt. Diese Hochkontrastdarstellung sorgt für mehr Details in hellen und dunklen Bildbereichen. Zum Testzeitpunkt war das Gerät zwar offiziell nur mit dem HDR-Modus von Youtube kompatibel und nicht mit dem von Netflix. Dennoch sahen mit dem Nokia 7.1 im Test auch Netflix-Sendungen besser aus als ohne HDR 10, da das Smartphone normale SDR-Inhalte hochrechnet.

Am Display selbst habe ich in dieser Preisklasse somit nichts auszusetzen. Lediglich der zu dunkel eingestellte Helligkeitssensor gab Anlass zu Ärger. Selbst bei Sonnenlicht dimmt die Automatik die Helligkeit nämlich derart herunter, dass das Display nur noch schwer abzulesen ist. Normalerweise soll der Sensor die Displayhelligkeit ja analog zur Umgebungshelligkeit steigern. Die Automatik zu deaktivieren und die Helligkeit manuell zu regeln, ist die einzige Lösung.

Arbeitstempo des Nokia 7.1 im Test schnell genug für den Alltag

Der verbaute Octacore-Prozessor Snapdragon 636 ist eine etwas heruntergetaktete Variante des Snapdragon 660 und soll dadurch energiesparender arbeiten. Alltagsaufgaben erledigt das Smartphone dennoch schnell und ohne Ruckler. Selbst aufwendigere Spiele wie Pokemon Go lassen sich problemlos auf dem Smartphone spielen. Beim Arbeitsspeicher hat HMD leider gespart. Die je nach Variante 3 oder 4 Gigabyte RAM reichen zwar für eine flüssige Benutzung aus. Jedoch beenden sich speicherintensive Apps relativ schnell im Hintergrund und müssen dann neu laden, wenn man zu viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet hat.

Dual-Kamera überzeugt im Porträt-Modus

Das Nokia 7.1 bietet eine 8-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite sowie eine Dual-Kamera auf der Rückseite. Letztere besteht aus einem 12-Megapixel-Sensor und einem 5-Megapixel-Sensor. Der zweite Sensor misst allerdings lediglich Abstandsinformationen, sodass in der Praxis nur eine weitwinklige Brennweite mit Blende F1.8 verfügbar ist.

Trotz des niedrigen Gerätepreises bietet das Nokia 7.1 im Test eine erstaunlich hohe Bildqualität. Insbesondere die Bokeh-Simulation im Porträt-Modus gefällt. Allerdings ist das Gerät dann preisklassengemäß doch eher eine „Schönwetter-Knipse“. Bei gutem Licht überzeugen die Fotos zwar mit angemessener Schärfe und vielen Details. Doch in der Dämmerung und Dunkelheit rauschen die Aufnahmen stark.

Experimentierfreudigen Nutzern empfehle ich die Google-Kamera-App zu installieren. In manchen Situationen liefert diese meiner Einschätzung zufolge etwas bessere Ergebnisse als die vorinstallierte App. In dieser finden sich außerdem neben den üblichen Funktionen auch noch praktische Extras, wie das gleichzeige Aufnehmen mit der Vorder- und Rückseiten-Kamera.

NFC und Fingerabdrucksensor als Bonus, schwacher Akku

Das Nokia 7.1 verfügt über alle Funkstandards, die in keinem Smartphone fehlen dürfen. Neben WLAN und LTE ist sogar NFC zum Datenaustausch und mobilem Bezahlen an Bord. Außerdem bietet das Smartphone Platz für zwei SIM-Karten oder für eine SIM- und eine Speicherkarte. Ein Fingerabdrucksensor ist auf der Rückseite vorhanden.

Die Akkulaufzeit hingegen hätte etwas länger ausfallen können. Der 3.060 mAh große Akku reicht zwar für einen Tag normaler Nutzung. Aber wenn man das Smartphone mal etwas intensiver nutzt, muss man relativ bald wieder eine Steckdose suchen. Ein vollständiger Aufladevorgang dauert beim Nokia 7.1 im Test circa zwei Stunden – ein für diese Preisklasse akzeptabler Wert. Zum Aufladen dient ein Kabel mit modernem USB-C-Stecker.

Software auf Pixel-Niveau

Ein sehr großer Pluspunkt ist die Zukunftsfähigkeit der Software. Denn das Nokia 7.1 erfüllt die Vorgaben von Googles Android-One-Standard. Dadurch kommt das Smartphone ohne unnötige vorinstallierte Apps. Außerdem verpflichtet sich der Hersteller, zwei Jahre lang neue Android-Hauptversionen und drei Jahre lang monatliche Sicherheitsupdates auszuliefern. Bei seinen vorherigen Smartphones hat Nokia dieses Versprechen ohne Beanstandungen umgesetzt, also sollte dies auch beim Nokia 7.1 der Fall sein. Käufer erhalten demnach die gleiche gute und lange Software-Pflege wie beim deutlich teureren Google Pixel 3.

Bei der Benutzeroberfläche präsentiert das Nokia 7.1 im Test pures Android. Der Hersteller nimmt also keine eigenen Anpassungen vor. Lediglich eine App mit dem Namen „my phone“ ist vorinstalliert. Dort lassen sich beispielsweise der Akkuzustand und die Gerätetemperatur überwachen oder Garantieleistungen in Anspruch nehmen.

Fazit: Handlich, bildschön, bezahlbar

In der Gerüchteküche wird seit langem über ein günstigeres Smartphone aus Googles Pixel-Serie spekuliert. Meiner Meinung nach entspricht das Nokia 7.1 im Test genau diesem Konzept. Es bietet sozusagen „Pixel-Feeling“ mit purem Android und dreijähriger Update-Garantie zu einem deutlich günstigeren Preis, als Google ihn bisher für seine Smartphones ausruft. Insgesamt erweist sich das Nokia 7.1 im Test als ist ein super verarbeitetes, handliches Smartphone, das auf Schickschnack verzichtet. Die Software läuft flüssig, auch die Kamera kann für den aufgerufenen Preis überzeugen. Das HDR-Display ist stark!

Wer ein kompaktes, ausreichend leistungsstarkes und bezahlbares Smartphone sucht, das lange Updates erhält, wird hier fündig. Bevorzugt ihr stattdessen viel Akkulaufzeit und hohe Leistung zum Spielen, könnt ihr dagegen beispielsweise das Honor Play in Betracht ziehen.

Pro-Argumente

  • 3 Jahre Update-Garantie dank Android One
  • gutes HDR-Display
  • USB-C Port
  • sehr gute Verarbeitung

Contra-Argumente

  • Wenig RAM (3 GB)
  • Akkulaufzeit nur mittelmäßig

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Images by Timo Brauer

About Timo Brauer
Timo studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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