Das Slider-Handy ist zurück: Xiaomi Mi Mix 3 im Test

Beim Xiaomi Mi Mix 3 verzichtet der chinesische Hersteller vollkommen auf eine Notch und versteckt die Frontkamera in einem Schiebemechanismus, wie er zu Handy-Zeiten bis in die frühen 2000er üblich war. Sind Slider-Handys auch in der Smartphone-Ära noch sinnvoll? Ich habe mir das besondere Smartphone angeschaut, das mir zu diesem Zweck von Trading Shenzhen (Provisionslink) zur Verfügung gestellt wurde. Das Xiaomi Mi Mix 3 im Test.

Wer ist eigentlich Xiaomi?

Xiaomi ist als Smartphone-Hersteller nicht neu auf dem Markt. Doch erst seit Ende 2018 gibt es die Geräte des Herstellers regulär im deutschen Handel zu kaufen. Budget-Modelle vertreibt er unter dem Label Redmi. Auch das bekannte Pocophone wird von Xiaomi hergestellt. Während es sich bei der Mi-Serie um die regulären Flaggschiffe des Herstellers handelt, probiert er bei der Mi-Mix-Reihe gerne unkonventionelle Konzepte aus. In diesem Fall eben ein Schiebemechanismus.

Mehr Display geht kaum

Die Verarbeitung des Mi Mix 3 macht einen super hochwertigen Eindruck. Die Vorderseite bedeckt fast vollständig das 6,39 Zoll große Display. Dadurch kommt das Gerät auf eine Screen-to-Body-Ratio von 93,4 Prozent. Im Vergleich zu den 88 Prozent beim Samsung Galaxy S10 ist das ein nochmals beeindruckenderer Wert.

Die Rückseite des Smartphones besteht ebenso wie das Galaxy S10+ aus Keramik, ist sehr kratzresistent, zieht Fingerabdrucke jedoch geradezu magisch an. Mit 218 Gramm erweist sich das Xiaomi Mi Mix 3 im Test als erstaunlich schwer. Jedoch erweist sich das im normalen Alltag als kein Problem.

Neben den üblichen Lautstärke- und Powerbuttons verfügt das Mi Mix 3 über einen zusätzlichen Button, der sich mit einer beliebigen App verknüpfen lässt.

Der Fingerabdrucksensor ist auf der Rückseite des Gerätes angebracht und lässt sich leicht erfühlen. Das Entsperren funktioniert wie gewohnt blitzschnell. Dennoch hätte mir ein Sensor auf der Vorderseite oder unter dem Display besser gefallen. Samsung, Huawei und OnePlus machen vor, wie das geht. So muss ich das Xiaomi Mi Mix 3 im Test jedes Mal anheben, wenn ich es entsperren möchte.

Schiebemechanismus statt Notch

Das besondere Feature beim Xiaomi Mi Mix 3 im Test ist ein magnetischer Schiebe-Mechanismus, welche die beiden Frontkameras sowie zahlreiche Sensoren und die Hörmuschel beinhalten. Letztere funktioniert auch, wenn das Smartphone zugeschoben ist, da der Ton durch eine kleine Öffnung durchgeschleust wird. Ein rotierendes Kameramodul wie Samsung im Galaxy A80 bietet Xiaomi nicht. Für vorne und hinten sind jeweils eigene Aufnahmeeinheiten vorgesehen.

Der Mechanismus lässt sich beim Xiaomi Mi Mix 3 im Test mit einer Hand relativ gut bedienen und hat ein gewisses „Suchtpotential“ wie die klassischen Slider-Handys von früher. Laut Xiaomi sind einige hunderttausend Schiebevorgänge für den Mechanismus kein Problem.

Xiaomi Mi Mix 3 -Schiebemechanismus animiert
Auf und zu, auf und zu. Mit dem Schiebemechanismus zu spielen, weckt das Spielkind in einem. Image by Timo Brauer

Der einzige Makel an dem Mechanismus, ist, dass sich relativ schnell Staub und andere Krümel aus der Hosentasche in der Ritze festsetzen. Dies hatte in meinem Test zwar keine Auswirkungen auf die Funktionsweise. Jedoch könnte es langfristig zu einem Problem werden, wenn man die Krümel nicht regelmäßig entfernt.

Überholter Prozessor stört beim Xiaomi Mi Mix 3 im Test nicht

Xiaomi verbaut im Mi Mix 3 einen Snapdragon-845-Prozessor mit einer Taktfrequenz von bis zu 2,8 GHz. Diesem stehen wahlweise 6 oder 8 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Das sorgt für ein schnelles Arbeitstempo. Der 845er-Prozessor arbeitet so schnell, dass wir im Alltag kein Tempo vermissen. Android 9 und die MIUI getaufte Bedienoberfläche treibt er erwartungsgemäß ohne Probleme an.

Allerdings handelt es sich um einen Vorjahres-Prozessor, was für ein Top-Modell nicht standesgemäß ist. Nur bei einer derzeit nicht in Deutschland erhältlichen Variante setzt Xiaomi auf den aktuellen Snapdragon 855, um das Smartphone mit 5G-Unterstützung auszustatten. Alle weiteren Spezifikationen sind jedoch identisch zu dem hierzulande erhältlichen Modell.

Die MIUI finde ich relativ verspielt. Sie bietet aber schöne Animationen und läuft sehr flüssig. Außerdem hat sie praktische Zusatzfunktionen in petto. Beispielsweise lässt sich das Smartphone wahlweise auf eine Bedienung per Wischgesten umstellen, um zusätzlichen Platz auf dem Display zu erhalten. Einziger Kritikpunkt sind die relativ häufigen Benachrichtigungen von System-Apps wie Xiaomis eigenem Appstore oder diversen Tools für die Systemoptimierung. Diese lassen sich zum Glück aber größtenteils deinstallieren oder abschalten.

Schöner Bonus: Qi-Ladegerät im Lieferumfang

Der Akku des Mi Mix 3 hat eine Kapazität von 3.200 mAh und bietet eine relativ gute Laufzeit. Ich hatte nie Probleme, mit dem Xiaomi Mi Mix 3 im Test über den Tag zu kommen. Aufgefüllt wird der Akku über einen modernen USB-C Port. Dabei unterstützt das Smartphone eine Aufladung mit bis zu 18 Watt, wahlweise per Kabel oder kabellos. Das passende Wireless-Ladepad befindet sich ebenfalls im Lieferumfang. Als besonderes Gimmick kann das Smartphone andere Smartphones oder Gadgets wie Kopfhörer mit Strom versorgen – ein passendes USB-C-zu-USB-C-Kabel vorausgesetzt.

Dual-Kamera überzeugt aber Künstliche Intelligenz übersättigt die Farben

Auf der Rückseite verbaut der chinesische Hersteller zwei 12-Megapixel-Sensoren, einen von Sony und einen von Samsung. Tagsüber habe ich gar nichts an der tollen Bildqualität auszusetzen. Wird es schummerig, verrechnet die Kamera-Software Bildinformationen beider Sensoren in einer Datei. Dadurch sind mit dem Xiaomi Mi Mix 3 im Test auch in schwierigen Lichtbedingungen noch scharfe und detailreiche Aufnahmen möglich. Lediglich bei Nachtaufnahmen kann das Smartphone nicht mit den entsprechenden Nacht-Modi von Mitbewerbern wie Huawei oder Honor mithalten.

Xiaomi Mi Mix 3 im Test beim Fotografieren
Fotografieren macht mit dem Xiaomi Mi Mix 3 im Test Spaß. Im hellen, wie im schummerigen Licht. Image by Timo Brauer

Unter dem Schiebemechanismus auf der Vorderseite befinden sich eine 24-Megapixel-Frontkamera sowie ein weiterer 2-Megapixel-Sensor für Informationen zur Tiefenschärfe. Die Frontkamera liefert ebenfalls sehr gute Ergebnisse, auch im Bokeh-Modus.

Filme lassen sich mit 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Als besonderes Feature bei der Videoaufnahme sind Full-HD-Zeitlupen mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde möglich.

Wie viele Hersteller heutzutage, setzt auch Xiaomi auf eine Kamera-KI, welche 27 verschiedene Szenarien erkennen soll und die Fotos dementsprechend automatisch bearbeitet. Wie bei solchen Funktionen häufig zu beobachten, wirken die Ergebnisse zu farbenfroh und unecht. Die Künstliche Intelligenz lässt sich jedoch in den Einstellungen deaktivieren.

Testfotos mit dem Xiaomi Mi Mix 3 im Überblick

Fazit: Außergewöhnliches Smartphone-Experiment mit wenigen Kompromissen

Für uns erweist sich das Xiaomi Mi Mix 3 im Test als ein empfehlenswertes Oberklasse-Smartphone mit insgesamt aktueller Ausstattung. Einzig beim Prozessor wird auf das Vorgängermodell des aktuellen Snapdragon 855 gesetzt. Dies wirkt sich jedoch keineswegs negativ auf die Leistung des Smartphones aus.

Der absolute Hingucker ist jedoch der einzigartige Schiebemechanismus zum Herausfahren der Frontkameras. Einen funktionalen Mehrwert bietet dieser beim Xiaomi Mi Mix 3 im Test zwar nicht, aber Technik-Enthusiasten dürften sich über die Ingenieursleistung freuen, durch die es Xiaomi gelingt, noch ein bisschen mehr Bildschirm in das Smartphone zu pressen. Allerdings erfordert der Mechanismus Kompromisse in anderer Hinsicht. So ist das Smartphone wegen dieser Konstruktionsweise nicht wasserdicht und lässt sich nicht in einer Schutzhülle verwenden.

Wer mit diesem Kompromiss leben kann, findet im Xiaomi Mi Mix 3 ein wirklich außergewöhnliches Smartphone, dem es praktisch an nichts fehlt. Weniger experimentierfreudigere Nutzer greifen zum Xiaomi Mi 9 oder Mi 9 SE im normalen Formfaktor ohne Schiebemechanismus. Erhältlich ist das Smartphone aktuell für rund 450 Euro.

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Images by Timo Brauer

About Timo Brauer
Timo studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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