Android Auto im Langzeittest: Vom Fahrzeug zum Smart Device

Das Smartphone ist aus unserem Leben kaum noch weg zu denken. Zudem halten digitale Assistenten in immer mehr Lebensbereichen Einzug. Auch des Deutschen liebstes Kind, das Kraftfahrzeug, wird von diesem Trend nicht ausgenommen. Mit Android Auto hat das US-amerikanische Unternehmen Google eine passende Softwarelösung auf den Markt gebracht, die ich seit etwas mehr als einem Jahr regelmäßig in meinem Seat Leon (5F) nutze. Was gut und was verbesserungswürdig ist, habe ich in einem Langzeittest herausgefunden.

Aktuelles Android-Smartphone ist Pflicht

Während Googles Software auf immer mehr Assistenten eigenständig läuft, ist für Android Auto ein eigenes, aktuelles Android-Smartphone von Nöten. Die Verbindung geschieht per USB-Kabel. Immer mehr Fahrzeuge und Multimedia-Systeme unterstützen auch die kabellose Anbindung, allerdings ist dafür ein Nexus oder Pixel-Mobiltelefon nötig. In meinem Fall funktionierte die kabelgebundene Einrichtung schnell.

Probleme gab es nur hin und wieder mit älteren Smartphones wie dem HTC 10, das sich hin und wieder grundlos entkoppelte. Besonders ärgerlich ist das, wenn man etwa die Navigation per Google Maps nutzt. Mit aktuellen Modellen, die ich in den letzten Monaten für Netzpiloten testen durfte, gab es keine Komplikationen.

Oberfläche auf das Nötigste reduziert und sehr übersichtlich

Pünktlich zu diesem Testbericht hat Google das User Interface der Software modernisiert. Nach dem Verbinden erscheint auf dem Bildschirm des Multimediasystems eine Startseite, über die unterstützte Apps angezeigt werden. Oben gibt’s Informationen wie die aktuelle Uhrzeit, Netzleistung sowie den Akkustand. Eine Art Taskleiste befindet sich am unteren Rand. Dargestellt werden geöffnete Anwendungen, eine Benachrichtigungsglocke sowie der Shortcut zur Spracheingabe.

Die aufgeräumte Oberfläche von Android Auto
Die Icons in Android Auto sind groß. Image by Jonas Haller

Die Buttons sind ausreichend groß und so sinkt die Wahrscheinlichkeit sich zu vertippen gegen Null. Die Haptik und das Feedback hängt dabei natürlich stark vom Automodell ab. Am Beispiel des Seat Leon gibt es großes Verbesserungspotential am verbauten LCD-Panel: Es ist alles andere als flink und die Auflösung ist nicht mehr zeitgemäß. Dafür ließ sich das entspiegelte Touchdisplay immer sehr gut ablesen.

Google Assistant liest Nachrichten vor, Antwort per Text-to-Speech

Wer auch unterwegs erreichbar und mit der Außenwelt verbunden sein will, findet an der Freisprechfunktion großen Gefallen. Denn Android Auto erlaubt nicht nur eine fehlerfreie Kommunikation per Anruf, sondern auch schriftlich. Dank der zuverlässigen Text-to-Speech-Funktion können empfangene Nachrichten direkt per Spracheingabe beantwortet werden. Das klappte im Test sehr gut. Einzig Smileys erkennt die Software noch nicht. Wer sich vorbildlich vollständig auf den Verkehr konzentrieren möchte, kann direkt mit einer automatisch generierten Antwort á la “Ich bin gerade am Steuer unterwegs” erwidern.

Doch der Google Assistant kann noch mehr. So zeigt die Software Terminerinnerungen an und navigiert optional zum eingetragenen Ort. Zudem können unterwegs schnell neue Einträge erstellt werden. Auch Erinnerungen sind möglich. Ideal für den gestressten Außendienstler.

Um den bevorstehenden Stau herum per Google Maps

Das wohl wichtigste Feature dürfte für die meisten Autofahrer das minutenaktuelle Google Maps darstellen. Im Test lieferte es eine sehr gute Navigationsleistung. Veränderungen im Verkehrsfluss pflegt die Software prompt in den Streckenverlauf ein und schlägt Alternativrouten vor. Staus werden erstaunlich präzise angezeigt. Die Stärken spielt das System zudem bei der Anzeige von Öffnungszeiten und aktuellen Points of Interest an. Bedingung ist jedoch eine verfügbare Internetverbindung.

Google Maps auf Android Auto
Staus werden schnell in die Routenplanung einbezogen. Image by Jonas Haller

Die Musikbibliothek immer im Android Auto dabei

Wer nicht Lust auf das immer gleiche Gedudel aus dem Radio hat, kann dank Android Auto seinen Lieblings-Streaming-Dienst auch im Pkw nutzen. Im Test kamen Spotify und Google Music zum Einsatz. Beide Angebote überzeugen durch einfache, intuitive Anwendungen. Der reduzierte Funktionsumfang trägt zur schnelleren Navigation bei. Clever, aber auch nervig: Spotify integriert eine mehrsekündige Eingabesperre, sodass während der Fahrt das Ablenkungspotential minimiert wird. Schade dass diese Funktion auch bei Bedienung durch den Beifahrer aktiv ist.

Fazit Android Auto : Gelungene Smartphone-Erweiterung fürs Fahrzeug

Wer ein Android-Smartphone besitzt, sollte beim Kauf eines aktuellen Fahrzeugs unbedingt eine Multimedia-Einheit mit Unterstützung von Android Auto ordern. Das System stellt eine gelungene Erweiterung des Smartphones dar und erlaubt eine gesetzeskonforme Nutzung von Apps, Nachrichten und Co. Durch das aufgeräumte User Interface wird der Konzentrationsverlust während der Fahrt minimiert.

Spotify auf Android Auto
Dank Android Auto kann unterwegs komfortabel auf die Spotify-Bibliothek zurückgegriffen werden. Image by Jonas Haller

Leider sind bis dato nur ein Dutzend Apps für das System freigegeben. Ähnlich der smarten Google Assistenten reguliert das US-amerikanische Unternehmen strikt welche Anwendungen den Weg ins Auto finden und welche nicht. Interessante Dienste wie etwa Clever Tanken sind leider nicht verfügbar. Ebenso wenig Navi-Alternativen gegenüber Google Maps. Hierfür sollte das Smartphone etwa per Mirrorlink mit dem Fahrzeug verbunden werden.

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Images by Jonas Haller

About Jonas Haller
Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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