Honor 20 Pro – das Kamera-Smartphone im Test

Mit dem Honor 20 Pro bringt der chinesische Hersteller ein Smartphone auf den Markt, das mit vier Kameras und bis zu 30-fachem Zoom punkten will. Mit dem Honor 20 und 20 Pro folgt der Hersteller dem Trend, sein Top-Smartphone “Pro” zu nennen und zusätzlich eine normale, etwas abgespeckte Variante auf den Markt zu bringen. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Honor 10, wurde beim Honor 20 übrigens vieles verbessert. Ich hatte das Honor 20 Pro im Test.

Honor 20 Pro mit Premium Design

Wie man es von einem Flagship-Smartphone erwartet, ist das Gerät einwandfrei verarbeitet. Dank des 2,5D-Glases auf der Vorderseite und der etwas mehr gewölbten Rückseite liegt das Telefon angenehm in der Hand. Sehr schön: das Display selber ist nicht gewölbt, wodurch es zu keinen Fehleingaben am Rand kommt. Die Glasrückseite ist in Blau-Grün und Schwarz-Lila erhältlich. Je nach Licht schimmern die Farben unterschiedlich intensiv, was die Smartphones zu einem echten Hingucker macht. Das normale Honor 20 kommt hingegen in einfachem Schwarz oder Blau. Durch die Spiegelungen und die dunkler gehaltenen Farbtöne fallen Fingerabdrücke etwas weniger auf, als auf spiegelglatten Geräten. Dennoch zieht die Glasrückseite diese an.

Der Metallrahmen des Smartphones beherbergt neben den Buttons und dem Ladeanschluss einen Infrarot-Blaster um Geräte wie Fernseher oder Klimaanlagen steuern zu können. Einen Kopfhöreranschluss sucht man hingegen vergeblich, was im Jahr 2019 durchaus zu verschmerzen ist. Wer weiterhin darauf angewiesen ist, kann zum “normalen” Honor 20 greifen. Die Tasten verfügen über einen sehr guten Druckpunkt und wackeln nicht. Der Powerbutten verfügt beim Honor 20 und Honor 20 Pro über eine Besonderheit. In ihm ist der Fingerabdrucksensor untergebracht, wodurch man das Smartphone beim Aktivieren gleich automatisch entsperrt. Das hat sich im Test als sehr praktisch erwiesen, da der Fingerabdrucksensor so deutlich schneller ist als die Modelle unter dem Display und sich das Smartphone trotzdem entsperren lässt, wenn es flach auf einem Tisch liegt.

Rückseite des Honor 20 Pro
Die Rückseite des Honor 20 Pro ist ein echter Hingucker

OS noch nicht ans Punch-Hole Display angepasst

Das 6,26 Zoll große Display ist an allen vier Ecken abgerundet und reicht bis fast an den Rand des Smartphones. Lediglich an der Unterseite ist der Rand minimal dicker. Auf eine Notch wurde beim Honor 20 übrigens verzichtet. Der Telefonhörer ist in der Displayumrandung untergebracht, der Helligkeitssensor befindet sich in dem rund 1,5 Millimeter dicken Rand um das Display und der Annäherungssensor ist in den Rahmen des Gerätes gewandert. Einzig die Frontkamera ist in einem 4,5 Millimeter großem Loch im Display eingelassen. Bei der täglichen Benutzung fällt dieses Kamera-Loch viel weniger auf als eine Notch und man vergisst oft, dass es überhaupt vorhanden ist.

Leider ist die Software EMUI noch auf eine Notch ausgelegt und teilt die Icons in der Benachrichtigungsleiste seltsam auf beide Displayseiten auf. So ist das Bluetooth-Symbols beispielsweise auf der rechten und das W-Lan Symbol auf der linken Seite des Displays. Hier kann aber mit einem Softwareupdate nachgeholfen werden. Bei dem verbauten Display handelt es sich um ein IPS-LCD mit hervorragenden Blickwinkeln und realistischen Farben. Mit einer Auflösung von 2340×1080 ist es auch ausreichend scharf. Gerade beim Pro Modell hätte mit ein Amoled-Bildschirm zwar besser gefallen, aber einen Unterschied sieht man nur im direkten Vergleich.

Performance satt beim Honor 20 Pro

Ein Kirin 980 Prozessor sorgt zusammen mit 8 GB Arbeitsspeicher für ordentlich Tempo. Dieselbe Kombination steckt auch im Huawei-Flaggschiff P30 Pro. Der Kirin 980 Chip ist im 7-nm-Verfahren gefertigt und dadurch besonders Energieeffizient. Die Bedienung des Smartphones läuft absolut flüssig, die Ladezeiten sind kurz und Apps aus dem Multitasking sind sofort startklar – genauso wie man es 2019 von einem High-End Smartphone erwartet. Im Geekbench-Test kann der Kirin 980 im Vergleich zum Vorgänger Kirin 970 seine Werte beinahe verdoppeln. Das Honor 20 Pro erreicht einen Single-Core Score von 3279 und einen Multi-Core Score von 9754 (Kirin 970: 1757, 5798).

Dies sind zwar nur theoretische Werte, jedoch lassen sich gerade beim Laden von aufwändigeren Spielen oder beim Fotografieren deutliche Unterschiede feststellen. Auch beim Speicher hat Honor nicht gespart. Beim Honor 20 Pro stehen euch üppige 256 GB zur Verfügung und auch die 128 GB im “normalen” Honor 20 sollten den meisten Nutzern ausreichen. Der Sim-Slot bietet zwar Platz für zwei Sim-Karten, jedoch nicht für eine Speicherkarte zur Erweiterung des internen Speichers.

Das Honor 20 Pro in der Hosentasche
Macht auch in der Hostentasche eine gute Figur – wenn man es mal aus der Hand legen mag.

Akku hält und hält

Der Akku des Honor View 20 hat eine Kapazität von 4000 mAh (3750 mAh beim normalen Honor 20) und ist dank Huawei-Supercharge innerhalb von rund 90 Minuten wieder voll aufgeladen. Dies ist allerdings eigentlich nie notwendig, wenn man das Telefon über Nacht auflädt. Auch bei intensiver Nutzung hat mir der Akku immer für einen kompletten Tag gereicht. Gerade im Vergleich mit anderen Herstellern, bieten Smartphones von Honor und Huawei eine sehr gute Akkuoptimierung und liefern eine vergleichsweise gute Akkulaufzeit.

Magic UI

Bei der Software geht Honor seit einiger Zeit eigene Wege und macht sich etwas selbständiger von dem Mutterkonzern Huawei. Ihre eigene Benutzeroberfläche trägt den Namen Magic UI und ist in der Version 2.1 installiert. Derzeit unterscheidet sich diese jedoch nicht großartig von Huaweis EMUI. Lediglich Kleinigkeiten wie die Wecker-App haben ein leicht verändertes Design. In Zukunft könnte es jedoch noch mehr Unterschiede geben. Typisch für Huawei/Honor sind die vielen zusätzlichen Einstellmöglichkeiten. So lassen sich die Shortcuts in der Benachrichtigungszentrale individuell anpassen oder die Navigationsleiste am unteren Bildschirmrand ausblenden und durch eine Gestensteuerung ersetzen.

Grundsätzlich gefällt mir Honors Softwareoberfläche sehr gut. Sie ist durchdacht, einfach zu verstehen und sieht modern aus. Da das Design des Homescreens nicht so mein Fall ist, habe ich mir einen alternativen Launcher installiert. Kleine Gimmicks werten die UI zusätzlich auf. So lässt sich per Lauter-Taste und Powerbutton beispielsweise eine Bildschirmaufnahme starten und beim Aufladen des Gerätes bekommt man eine coole Animation angezeigt, die euch über die verbleibende Ladedauer informiert. Sicherheitsupdates erscheinen bei Honor zwar nach keinem festen Zeitplan aber dennoch Zeitnah. Auch ein Update auf Android 10 und Honors Benutzeroberfläche Magic UI 3 wurde bereits angekündigt.

Fantastische Kamera

Beim Honor 20 Pro setzt Honor auf eine Kamera mit 4 verschiedenen Linsen. Der 48 Megapixel-Hauptsensor wird von Sony gefertigt und verfügt über einen sogenannten „Ultra-Clarity“-Modus. Bei diesem nimmt das Smartphone mehrere Bilder nacheinander auf und berechnet so ein noch detailreicheres Bild. Besonders bei stillen Motiven oder beim Abfotografieren von Dokumenten kann diese Funktion überzeugen, aber auch im Nachtmodus liefert sie tolle Ergebnisse. Dank optischer Bildstabilisierung sind außerdem auch kleinere Wackler beim Aufnehmen kein Problem.

Bei der zweiten Kamera handelt es sich um einen 117 Grad Weitwinkel-Sensor mit einer Auflösung von 16 Megapixeln. Insbesondere beim Fotografieren von Gebäuden kann er seine Stärken ausspielen und spannende Perspektiven ermöglichen. Die dritte Kamera ist eine 3-fach Zoom-Linse mit einer Auflösung von 8 Megapixeln. Mittels Software können Motive auf bis zu 30-fachen Zoom herangeholt werden. Dafür verfügt die Zoom-Kamera ebenfalls über eine optische Bildstabilisierung, um auch bei starkem Zoom nicht zu verwackeln.

Alle drei Kameras können Videos in 4K bei 30 FPS aufnehmen. Jedoch ist der Zoom auf 10-fach beschränkt und die optische Bildstabilisierung ist nur bei Full-HD Aufnahmen verfügbar. Die vierte Kamera ist eine Makro-Linse mit einer Auflösung von 2 Megapixeln. Mit ihr lassen sich Aufnahmen aus nächster Nähe anfertigen. Honor gibt eine optimale Distanz von 4 Zentimetern an.

Die 32 Megapixel Selfie-Kamera macht schöne Fotos, die einen jedoch auch bei ausgeschaltetem Beauty-Modus etwas blasser und retuschiert wirken lassen.

Fazit: wenig Unterschiede zwischen Honor 20 Pro und normaler Version

Beim Honor 20 Pro hat der chinesische Hersteller viel richtig gemacht und ein solides high-end Smartphone auf den Markt gebracht, welches insbesondere für Fotografie-Fans eine echt gute Wahl ist. Designtechnisch kann das Smartphone mit seinen beiden schicken Farbkombinationen überzeugen und ist zudem ein echter Hingucker. Dank Highend-Prozessor und mehr als ausreichend Arbeitsspeicher ist auch genug Performance vorhanden. So kann es das Honor 20 Pro locker mit Geräten wie dem Huawei P30 Pro aufnehmen. Mit einem UVP von 599 Euro ist das Gerät außerdem deutlich günstiger als viele andere High-End Smartphones. Wer zum “normalen” Honor 20 greift, kann übirgens noch 100 Euro sparen und muss nur auf die Makro-Kamera verzichten und mit weniger RAM und Speicher auskommen.

Wer auf kabelloses Laden und einen OLED-Bildschirm verzichten kann, erhält mit dem Honor 20 Pro ein wirklich tolles Smartphone mit top Performance, einer guten Kamera und langer Akkulaufzeit. Zwar gibt es für weniger Geld mittlerweile günstigere Geräte auf dem Markt die ähnlich leistungsstark sind, an die Kamera des Honor 20 Pro kommt jedoch kein Gerät unter diesem Preis heran. Eine Alternative wäre das Samsung Galaxy S10e, welches zwar mit kabellosem Laden und OLED-Bildschirm daherkommt, aber über keine Zoom-Linse verfügt und eine massiv schlechtere Akkulaufzeit bietet.

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Images by Timo Brauer

About Timo Brauer
Timo studiert Technikjournalismus in Bonn und beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.

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