Samsung Galaxy A80 im Test: Die Idee mit dem Dreh

Das Jahr 2019 sagt der Notch den Kampf an. Viele Smartphone-Hersteller versuchen die einstige Trend-Einkerbung im Display, die 2017 vor allem durch das iPhone X populär wurde, wieder los zu werden und suchen alternative Wege, die Frontkamera zu integrieren. Dazu gehören auch ausfahrbare Kameras, der Samsung mit dem Galaxy A80 nun einen neuen Dreh verleiht. Wir zeigen euch, wie das Smartphone mit Rotations-Kamera im Test abschneidet.

Ein Display in XXL-Format – und ohne Notch

Mit dem Galaxy A80 bringt Samsung einen mechanischen Eye-Catcher in die Mittelklasse. Der südkoreanische Hersteller verbaut hier erstmals eine gleichzeitig ausfahrbare und rotierende Kamera, die sowohl hinten, als auch vorne Bilder knipst. Das Resultat? Ein Notch-freies Display. Dadurch füllt das 6,7 Zoll große Super-AMOLED-Panel beinahe die komplette Front des Smartphones und weist nur sehr dünne Display-Ränder auf. So können sich eure Augen auf die Inhalte konzentrieren, die das Display wiedergibt. Und hier gibt es fast nichts zu beanstanden. Die Full-HD+ Auflösung zeigt gestochen scharfe Inhalte und Details. Weiterhin wirken auch die Farben realistisch und satt. Die maximale Helligkeit ist für den Innenbereich absolut ausreichend, obwohl wir im Freien schon eher Probleme hatten, die Inhalte auf dem Display gut abzulesen.

Mit 6,7 Zoll besitzt das Galaxy A80 ein riesiges Display, das beinahe die gesamte Front einnimmt.

Wer nun gut aufgepasst hat, merkt, dass das Galaxy A80 mit einer Größe von 6,7 Zoll definitiv zu den größeren Smartphone-Modellen gehört. Das Handling ist mit kleineren Händen dadurch etwas schwieriger, vor allem dann, wenn ihr das Smartphone mit nur einer Hand bedienen möchtet. Dennoch liegt es dank abgerundeter Ecken und Kanten gut in der Hand und bietet euch ein 20:9-Format-Display. Die mechanischen Tasten sind am Rand des Galaxy A80 angebracht und sowohl die Power-Taste als auch die Lautstärke-Buttons sind einfach zu erreichen.

Glanzvolles Design, das Fingerabdrücke sammelt

Vom Rand aus gehen wir weiter zur Rückseite. Laut Hersteller Corning kommt hier Gorilla Glas 6 zum Einsatz und sorgt für eine glänzende und spiegelnde Oberfläche. Mit dem Glanz ist es dann aber ganz schnell wieder vorbei, da die Rückseite Fingerabdrücke magisch anzieht. Auch die Griffigkeit könnte etwas besser sein, doch das ist fast bei allen Smartphones mit Glas-Rückseite der Fall. Unser Testmodell kommt in „Phantom Black“ und wirkt statt Schwarz eher gräulich. Darüber hinaus bietet Samsung noch zwei weitere Farben: „Angel Gold“ und „Ghost White“. Bis auf das Samsung-Logo ist das Design hier sehr clean gehalten.

Der Fingerabdrucksensor des Grauens

Einen Fingerabdrucksensor sucht ihr rückseitig vergebens, dieser sitzt unter dem Display. Doch was wie ein High-Tech-Feature klingt, entpuppt sich schnell zum kleinen Alptraum. Obwohl auch viele Oberklasse-Smartphones mit einem In-Display-Fingerabdrucksensor kommen, kann der des Samsung Galaxy A80 leider nicht mithalten. Es handelt sich dabei um einen optischen Sensor und er ist für unseren Geschmack sehr langsam. Damit könnten wir leben, wenn er immerhin zuverlässig wäre. Doch auch in diesem Punkt müssen wir Kritik üben. Denn in den meisten Fällen wird der Finger gar nicht erkannt. Das sorgt für einige Frustration. Auf eine Gesichtsentsperrung als Alternative müsst ihr beim Galaxy A80 ebenfalls verzichte, da die feste Frontkamera fehlt. Dann bleiben nur noch die PIN- oder Muster-Entsperrung.

Samsung Galaxy A80 im Test
Der Fingerabdrucksensor des Galaxy A80 zeigt sich im Test nicht von seiner besten Seite.

Galaxy A80 mit Rotations-Kamera: Hat die Triple-Kamera den Dreh raus?

abgegrenzt – die Kamera. Wie bereits erwähnt kommt sie mit einer Besonderheit. So fährt sie – sobald der Frontkamera-Modus aktiviert wird – aus und dreht sich einmal um 180 Grad. Das sorgt definitiv für Aufsehen, doch uns interessiert bei einer Smartphone-Kamera eher, wie gut die Foto-Ergebnisse werden. Und das haben wir uns einmal genauer angesehen.

Das Samsung Galaxy A80 kommt mit integrierter Triple-Kamera. Diese besteht aus einem 48-Megapixel-Weitwinkelobjektiv mit einer f/1.8-Blende, das von einem Ultra-Weitwinkelobjektiv mit 8 Megapixel und einer f/2.4-Blende unterstützt wird. Der dritte Sensor ist keine Kamera im klassischen Sinne, sondern ein Time-of-Flight-Sensor (ToF). Damit werden Tiefenmessungen ausgeführt und das sorgt für dreidimensionale Effekte.

Die Kamera-Ergebnisse: Kein Grund zum Jubeln, aber solide

Diese Ausstattung sorgt in unserem Test für ingesamt zufrieden stellende Ergebnisse. Generell macht ihr mit dem Galaxy A80 schöne Aufnahmen bei guten Lichtverhältnissen. Die Farben wirken satt und die Fotos insgesamt scharf und detailreich. Zudem nehmen wir bei gutem Licht auch kein verstärktes Bildrauschen war. Das zeigt sich deutlicher, sobald die Lichtverhältnisse schlechter werden oder ihr näher an Details heranzoomt, was uns in dieser Preiskategorie jedoch wenig überrascht. Der bis zu achtfache digitale Zoom ist auch kein überzeugendes Argument, liefert aber noch ausreichende Aufnahmen. Im Vergleich mit einem 2018er Flaggschiff wie das Huawei Mate 20 Pro, das mittlerweile sogar bereits unter dem Preis des Galaxy A80 erhältlich ist, kann das Samsung-Mittelklasse-Modell in puncto Kamera jedoch nicht mithalten.

Besser gefallen haben uns die Tiefeneffekte, für die der ToF-Sensor verantwortlich ist. Damit lassen sich schöne Bokeh-Effekte erzeugen, die weiterhin voll im Trend liegen. Mit eurem Finger könnt ihr das gewünschte Objekt fokussieren und die Triple-Kamera des Galaxy A80 stellt automatisch darauf scharf, während Objekte weiter vorn oder weiter hinten weichgezeichnet werden.

Der Pop-Up-Mechanismus mit dem Dreh: Noch nicht ganz ausgereift

Nun ist der Clou hinter der Kamera des Galaxy A80 natürlich der ausfahrbare und rotierende Mechanismus, damit ihr diese auch für Selfies nutzen könnt. Wählt ihr den Frontkamera-Modus aus, fährt die Kamera automatisch aus und „flippt“ einmal um 180 Grad. Dieser Vorgang dauert etwa eine Sekunde, kommt uns jedoch etwas langsam vor. Ein kurzer Falltest zeigt auch, dass der Mechanismus wieder einfährt, sobald ein Fall erkannt wird. Dafür ist das Ganze jedoch ebenfalls zu langsam, sodass der Schlitten noch nicht eingefahren ist, wenn das Smartphone am Boden ankommt. Zusätzlich macht uns der Automatismus einige Sorgen, sobald das Handy auf dem Tisch abgelegt wird. Ist die Kamera währenddessen noch ausgefahren, will sie von allein wieder einfahren. Jedoch kann die Drehung liegend nicht stattfinden und das Ganze fängt an zu stottern. Nach einigen erfolglosen Versuchen (die nicht besonders gesund klingen), wird dann auf dem Display eine Meldung angezeigt.

Samsung Galaxy A80 im Test
Die Kamera des Galaxy A80: Aktiviert ihr den Frontkamera-Modus, fährt die Kamera automatisch aus und dreht sich um 180 Grad.

Doch auch wenn die Kombination aus ausfahrbarer und rotierender Kamera ihre Tücken hat, so bietet sie euch die Möglichkeit, Selfies mit der selben Qualität der Hauptkamera zu knipsen. Denn im Galaxy A80 fungiert die Kamera sowohl als Haupt-, als auch als Frontkamera. Zudem zeigen vor allem im Frontkamera-Modus die Vorteile der Weitwinkel-Linse. Ihr bekommt innerhalb der Kamera-App die Option, festzulegen, wie viele Personen auf euer Selbstporträt passen müssen. So wird das Selfie zu viert, fünft oder sechst nicht mehr zum Suchspiel à la „Wer hat den längsten Arm?“. Allerdings wirken Objekte an den Rändern etwas verzerrt.

Technische Mittelklasse: Mit dem Galaxy A80 problemlos durch den Alltag

In puncto Performance passt Samsung das Galaxy A80 eindeutig der Mittelklasse an. Im Inneren taktet der Achtkernprozessor Snapdragon 730 und wird von 8 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. Dieses Paket sorgt für eine flüssige Bedienung und ausreichende Multi-Tasking-Performance im Alltag. Ausreichend dürften auch die 128 Gigabyte interner Speicher für Fotos, Videos, Apps und Dateien sein. Sollte das einmal nicht der Fall sein, gibt es beim Galaxy A80 leider keine Möglichkeit den Speicher zu erweitern. Statt eines Steckplatzes für eine Micro-SD-Karte gibt es aber immerhin einen Slot für zwei SIM-Karten.

Dass euch das Flip-Kamera-Smartphone von Samsung problemlos durch den Tag bringt, zeigt sich auch am Akku. Er steht euch mit einer Kapazität von 3.700 mAh zur Seite und ist per USB-C-Schnittstelle schnell aufladbar. Obwohl auf der Rückseite Glas verbaut ist, könnt ihr das Smartphone allerdings nicht kabellos laden. Ein weiteres Feature das fehlt, ist der Klinkenanschluss.

Samsung Galaxy A80 im Test
Das Galaxy A80 wird per USB-C-Schnittstelle geladen.

Solltet ihr euch für das Samsung-Modell Galaxy A80 entscheiden, kommt es ab Werk mit Android 9 zu euch. Darüber liegt die Samsung-eigene Benutzeroberfläche One UI. Wer noch keine Erfahrung damit hat: Diese UI ist vor allem auf die einhändige Nutzung ausgelegt. Dafür handelt es sich jedoch um eine recht speicherfressende Oberfläche mit einer Größe von 20 Gigabyte, was nicht zuletzt den vielen vorinstallierten Apps geschuldet ist.

Fazit Galaxy A80: Pluspunkt für die Idee mit Verbesserungs-Spielraum

Viel Display, Triple-Kamera und ein innovatives Highlight mit Macken: So ließe sich das Samsung Galaxy A80 beschreiben, würde jedoch einige Aspekte rauslassen. So finden wir, dass ihr ein großes, schickes und flüssig laufendes Smartphone erhaltet, das schöne Fotos bei gutem Licht knipst. Doch im Jahr 2019 ist ein derart schlechter Fingerabdrucksensor ein No-Go und frustriert uns. Und auch wenn es Samsung mit der interessanten Kombination aus ausfahrbarer und rotierender Kamera gelungen ist, auf eine Notch zu verzichten, gibt es angesichts des recht langsamen Mechanismus noch Raum für Verbesserungen.

Seit Juli 2019 ist das Galaxy A80 auf dem deutschen Markt erhältlich. Die UVP liegt bei 649 Euro und siedelt sich damit eher in der gehobeneren Mittelklasse an. Doch mittlerweile könnt ihr das Smartphone bei externen Händlern auch günstiger kaufen.

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Images by Jessica Julia Mrzik

About Jessica Julia Mrzik
Jessica ist Technikjournalistin und befasst sich leidenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt. Wenn sie nicht gerade erklären muss, was eine Technikjournalistin macht, bloggt sie über die neuesten plastikfreien Alternativen. Außerdem befasst sie sich gern mit Tech-Neuheiten und lustigen Gadgets rund ums iPhone und Co. Als Digital Native interessiert sie sich für alles, was mit Medien zu tun hat und probiert alles aus, was sie in die Finger bekommt.

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